Ricotta-Roggen-Gnocchi. Gnocchetti di Ricotta e segale.

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Während junge foodbloggerinnen in der Heiterkeit des Frühlings schwelgen, von Erbsen, Romanzen mit Romeo, Blumen und Lebenslust erzählen, wandeln wir Alten im Herbst des Lebens: Braun, Grau, Gedeckt, Dunkel. Rheuma statt Julia. Roggen statt Romeo. Schmerz statt Herz. Die kürzlich zubereiteten, offenen Schlutzkrapfen brachten mich auf die Idee, Ricotta Gnocchetti mit Roggenmehl und geröstetem Roggenquellmehl herzustellen. Kaffeebraune Gnocchi brauchen einen Farbtupfer. Weil das rheumatische Zipperlein zwackt, probieren wir statt oxalsäurehaltigem Spinat das Unkraut aus dem eigenen Gärtchen: Giersch. Das allgegenwärtige, Gras- und Blumenüberwuchernde, die Alleinherrschaft im Gärtchen beanspruchende Unkraut soll ja sogar gegen Rheuma und Podagra gut sein.

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Giersch, gewaschen

Kein Italiener isst Giersch. Hingegen wird er (der Giersch) von Meerschweinchen und Kaninchen gerne gefressen. Aber so wie ich ihn hier zubereitet habe, hat er auch uns geschmeckt. Die eigentliche Entdeckung sind aber die Roggen-Gnocchetti. Gnocchi, die kräftig nach geröstetem Roggen schmecken. Vielleicht sind sie nicht nach jedermanns Gusto, der Roggengeschmack ist bei Gnocchi etwas fremd und ungewohnt. Ich könnte sie mir ebensogut zu geschnetzeltem Rindfleisch an Biersauce, zu Kalbsleber oder zu Wildgeschnetzeltem vorstellen.

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Roggen-Knoggen mit Fingerdelle

Zutaten
Hauptmahlzeit für 2 Personen
300 g frischer Ricotta von der Kuh
50 g Roggenmehl (Typ 1150)
10-20 g Roggenquellmehl geröstet (Backzusatz für Roggenbrot, von mir auch für diesen Zwecke gekauft, aber noch nie gebraucht)
1 Eigelb, bei Bedarf wenig vom Eiweiss
20 g Parmesan, frisch gerieben
knapp ½ Tlf. feines Meersalz
schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
wenig Muskatnuss

Hartweizengriess (Semolina) zum bemehlen

140 g Gierschblätter, Stiele entfernt weil bitter (ersatzweise Spinat verwenden)
½ Peperoncino, entkernt, in Streife geschnitten
2 Knoblauchzehen in Scheiben geschnitten
1 Stange Staudensellerie, klein geschnitten
ca. 8 Elf. Olivenöl
ca. 30 g Parmesan, fein gehobelt
Salz, schwarzer Pfeffer

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im ersten Anlauf fehlte, wie bei mir üblich, der Parmesan

Zubereitung
(1) Ricotta aus der Packung nehmen und in ein weisses Passiertuch aus Vlies legen. Mit ein paar Lagen Küchenpapier umwickeln und gut ausdrücken. Ich lege den Packen über Nacht in den Kühlschrank und wechsle die Windeln (das nassgewordene Küchenpapier) ein- bis zweimal am Abend und frühmorgens. So verliert die Ricotta bis zu einem Drittel des Gewichts.
(2) Eigelb, Salz, Parmesan und Roggenmehle dazugeben und alles miteinander vermischen. Die Masse darf, im Unterschied zu weissem Mehl, ruhig durchgeknetet werden.

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kleinfingerdick

(3) Die Masse gleicht leicht klebrigem Ton, kann aber auf etwas Semolina problemlos ausgerollt werden. Gnocchimasse auf die mit Hartweizengriess bemehlte Arbeitsfläche geben und zu kleinfingerdicken Rollen formen. Die Rolle in ca. 1 cm große, schräge Stücke schneiden. Schnittflächen in Semolina wenden und bis zum Verbrauch auf Semolina lagern.

(4) Knoblauch, Staudensellerie und Peperoncino sanft im Olivenöl anbraten.
(5) Pastawasser aufkochen, salzen, Gnocchetti zugeben und auf kleinem Feuer ca. 2 Minuten ziehen lassen. Dann den abgetropften Giersch zugeben und nochmals 2 Minuten leise köcheln lassen.

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stabile, problemlose Gnocchi

(6) Giersch/Gnocchi mit dem Schaumlöffel herausheben, abtropfen, in die Pfanne mit dem aromatisierten Olivenöl schöpfen und gut durchmischen.
(7) Im Teller mit Parmesanspänen, schwarzem Pfeffer und einem zusätzlichen Spritzer Olivenöl anrichten.

 

Sodala, nun hätte ich endlich das Rüstzeug beisammen, um richtig roggige Schlutzkrapfen zu formen.

11 thoughts on “Ricotta-Roggen-Gnocchi. Gnocchetti di Ricotta e segale.”

  1. Let’s rogg the Krapfen! Bei mir werden die Windeln zwar immer noch am lebenden und vor allem zappelnden Subjekt gewechselt, aber für Ricotta und Roggen bin ich gleich zu begeistern!

  2. So klein und liebevoll mit Dubbs geformt bleibt Romeo auch Romeo, selbst wenn es Richtung abend geht und ab und an das Rheuma zwickt. Soviel Realismus haben selbst die noch etwas jüngeren Foodblogger.

    Da gibt es kein Schwanken und keine störende Lerche: Julia gefallen diese kaffeefarbenen Gnocchis ebensogut wie mir.

  3. Die sehen ja super aus. Gnocchi, Knöpfle, Pasta da bin ich immer dabei. Aber ob ich soviel Geduld hätte, die so schön zu formen… Mit Riccota klingt ziemlich edel. Vielleicht probier ich es einmal mit dem Knöpflesieb.

    Liebe Grüße
    Anna

  4. Schön, dass man Giersch und Gartenmelde wieder isst. Sie waren in den letzten Jahrzehnten geradezu als Unkraut verschrien, die höchstens bei akutem Nahrungsmangel auf den Tisch kommen. Ironischerweise haben die Deutschen in dieser Zeit die Rauke entdeckt – als sie Rucola hieß, war sie natürlich viel interessanter😉

  5. Also ich find ja nicht, dass es hier altherrenhaft zugeht, sondern ganz im Gegenteil stets innovativ!!

    Zu den kleinen Roggenknöpfchen ist aber ein bisschen Farbe unerlässlich😉 so sehen sie gleich wieder sehr attraktiv aus!

  6. Ich würde das ja mal probieren, aaaber nur, weil du es gekocht und so schön angerichtet hast mit den grünen Farbtupfern. Ansonsten bin ich nicht so der Fan von Roggen, ausser beim Sauerteigbrot.

  7. @Sugarprincess: lebend und zappelnd würde mich überfordern.

    @Micha: zartes sehnen, stilles schmatzen, oh wie süss, mit dir zu teilen, von dem braunen Roggenmahl.

    @Rosa Mayland: gesund ist immer gut.

    @magentratzerl: und ich krieg das alte, ungebrauchte Mehl weg.

    @Anna Purna: auf die Idee mit dem Knöpflesieb bin ich nicht gekommen. Villeicht muss man dafür an der Konsistenz noch etwas schrauben.

    @bee: dabei würde die italienische Bezeichnung von Giersch, „Gastalda“, doch so schön klingen. Gartenmelde baut hier kaum jemand an.

    @Britta: wenn die Tomaten reif sind, mach ich sie vielleicht nochmals mit Rösttomaten.

    @Bonjour Alsace: kein Roggenfan ? ich schon.

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