Rückkehr und Heimkehr mit scaloppine alla pizzaiola

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Heimkehr von der Alp Mora durch die Strasse von St. Maria im Val Müstair

Wer jedes Jahr am selben Ort im Oberengadin Ferien macht, lebt nach dem Motto „home away from home“. Die jährliche Rückkehr an meinen Ferienort gibt mir jedesmal den Eindruck, lediglich für ein paar Tage weg geblieben zu sein. Alles ist wohl bekannt, alles ist vertraut, wenig hat sich verändert: die Wege, die Sehenswürdigkeiten, die Angebote der Spass- und Erlebnisgesellschaft, mit etwas Glück dieselben Züge wie vor 80 Jahren, die immergleichen Speisekarten der Gaststätten (derzeit Wild, wen wunderts). Einzig das Wetter war in den vergangenen 2 Wochen kalt, bis minus 2°C, viel Regen, wenig Sonne.

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Bernina-Krokodil aus dem Jahr 1928
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Trübe Wetteraussichten
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Schöne Wetteraussichten

Neues gibt es wenig zu berichten, ich habe kaum gekocht, Wir haben meist fremd gegessen, da und dort altes, aber auch neues aufgegabelt: in der Stüvetta von Dario Cadonau in Brail, bei Anna Bertola in Bianzone im Veltlin, bei Passerini in Chiavenna, im renovierten, wieder eröffneten La Perla in La Prese, im Südtirol bei Anna Matscher, kombiniert mit einem Blitzbesuch im Laden der Bloggerfreundin Magdi Kochfelder.

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Spinat-Ricotta Ravioli im Passerini

Aber auch in bescheidenen Gaststätten wie jener in Promontogno. Leider sind hier die Enten im Weiher vor dem Hotel verschwunden. Einfach weggeflogen. Wer weiss wohin. Und wenn es gar garstig vom Himmel herunter goss, gönnten wir uns eine kleine Süssigkeit von Kochendörfer.

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Wettertrosttörtchen

Langweilig ? Ansichtssache. Erholsam dann, wenn man die elektronischen Kommunikationsmittel unbenutzt in den Taschen lässt. Meinen Blog habe ich für einmal einfach ruhen gelassen, um selber zur Ruhe zu finden. Nur der gelangweilte, moderne Mensch glaubt, selbst im Urlaub seine innere Leere durch hyperaktive Betätigungen kaschieren zu müssen. Während ich mir morgens um 8 Uhr in der Dorfbäckerei Gipfel zum gemütlichen Zmorge hole, stehen grimmig dreinschauende, rotbesockte, nordicwalkingstock bewehrte Bergwanderer eingehüllt in Regenpelerinen an der Busstation zum Gipfelsturm bereit. Hektik, Drängeln, Erfolgsstreben, Effizienz und Zack auch hier. Dasselbe wie im Wahnsinn der Sozialen Medien.

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wer hat die längsten Hörner ?

Einige freundliche Leserinnen und Leser zeigten sich besorgt über mein Verschwinden aus dem Blogalltag. Danke für die lieben Nachfragen und die rührende Anhänglichkeit. Das Netz vergisst zwar nichts, aber wer im Netz mit Schreiben aufhört, ist in der Regel doch schnell vergessen. Mein Lieblingsengel hatte jedenfalls mit mir ein Einsehen und streute seine Blumen in fremde Gräber.

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Wer nach dem Urlaub als beste Beute den Spruch heimbringt: „Gottlob, dass ich wieder heim bin!“ (Jeremias Gotthelf hat das gesagt), der lebt noch.

Nur, dass nach der Heimkehr bekanntlich das Angekommensein beginnt. Kühlschrank leer. In einer Ecke steht noch das Glas strattu.  Im Tiefkühler liegen noch Kalbsplätzli. Tomatenpassata ist immer da. Das reicht für Scaloppine alla pizzaiola. Mehr brauchts nicht für ein frugales, aber gutes Mahl.

Ach, ich weiss. Bei ernsthaften Köchen müssen Tomaten heute in mehreren Aggregatszuständen auf demselben Teller liegen: als Schaum, als farblose Essenz, als Creme, confiert, in Form gedörrter Knusperkrümel und als Eis. Das sind zwar mehr als die drei klassischen Aggregatzustände, aber die neue Kochkunst kennt keine physikalischen Grenzen. Deshalb handelt es sich wohl um Kunst.

Doch bedeutet Kochkunst nicht auch die Reduktion auf möglichst wenige Zutaten ? Die Italiener verstehen das meisterhaft und das Ergebnis gibt ihnen recht. Zwiebel und Knoblauch in Olivenöl andünsten, mit der Passata (oder guten Tomaten) ablöschen, Mit strattù, der kondensierten Tomatenseele, aufdonnern. Mit Salz, Pfeffer und Origano abschmecken. Kalbsplätzli ganz kurz scharf anbraten und ein paar Minuten in der heissen, nicht mehr kochenden Sauce ziehen lassen. Mehr Tomate geht nicht in einer einzigen Aggregatsform. Mit dem strattù besser als alles, was ich früher unter gleichem Namen in Rom gegessen hatte.

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Scaloppine alla pizzaiola

34 thoughts on “Rückkehr und Heimkehr mit scaloppine alla pizzaiola”

  1. Ein solcher Tag muss gefeiert werden! Und wenn Du das mit einem Blogeintrag tust, kann Deine Verachtung für die hektischen Netzumtriebe doch nicht gar so gross sein. Ich jedenfalls schliesse mich an: Je einfacher und traditioneller, desto schöner. Von uns allen erreichen Dich heute in aller Anhänglichkeit die allerbesten Grüße!!!

  2. Willkommen zurück zu Hause. Gut, dass ihr die Ruhe genossen und du den Blog hast ruhen lassen! Es ist doch schön, dass es noch Orte gibt, an denen die Zeit fast stehen geblieben zu sein scheint.

    Genieße deinen heutigen Tag – alles erdenklich Gute für dich!

  3. Oh, wie schön, von dir zu lesen. Ich habe natürlich öfters an euch gedacht. Im Urlaub verschwunden zu sein, ist die beste aller Möglichkeiten.

    Im französischen heißt es: Il faut reculer pour mieux sauter – Man muß rückwärts gehen, um bessser srpingen zu können. Weniger, bescheidener, ruhiger – Wörter die so gar nicht zu einer Gesellschaft des Turbo-Kapitalismus passen wollen.

    Schön, dich wieder zu lesen. Richtig schön!

  4. Entschleunigen ist keine schlechte Sache und Du hast Recht, viele wissen nicht mal in den Ferien, wie man das macht. Und zum Glück verlernt man das Kochen in dieser Zeit nicht. Schön Dich wieder schreiben zu sehen.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  5. Viele Wiedererkennungseffekte…. danke für das Krokodil- und das Brechen der Lanze für „langweiligen“ Urlaub, das ist doch ein Genuß sondergleichen.

  6. Natürlich habe ich deine Publikationsstille bemerkt und folgerichtig gedacht: die Lamiacucinas sind in den Ferien.
    Ich gehe mit dir in allen Belangen und Betrachtungen einig!
    Schon mehrere Jahre bin ich am Entschleunigen, was mir gut gelingt und gut tut. Kochen muss/will ich sowieso und wenn ich die Resultate ab und zu festhalte und ein paar Bemerkungen dazu schreibe, ist dies entspannender Ausgleich zum grossen Garten!
    Mit kulinarischen Grüssen aus Fernost, Fel!x

  7. Schön, wieder von Dir zu lesen! Und alle erdenklichen Glückwünsche noch dazu!
    Naja, ich bin Vierzig….und fühle mich doch manchmal zu alt(modisch) für diesen hektischen Betrieb, in dem selbst der wohlverdiente und oft auch dringende nötige Urlaub keine Pause von Online-Tagesgeschehen bedeutet. Nicht mit mir.
    Und mit Tomate in nur einem Aggregatszustand auf dem Teller kann ich echt gut leben🙂

  8. Lieber Robert, du müsstest halt trotzdem einmal für ein paar Tage nach Südtirol kommen, wahrscheinlich gibt es bei uns mehr Sonne. Ich würde mir frei nehmen und zur Fremdenführerin werden:) Ich bin froh, dass ihr wieder gut zu Hause angekommen seid und ganz herzliche Grüße an Frau L.

  9. Willkommen zu Hause! Und ja Urlaube in einem anderen zu Hause sind um Längen erholsamer als in der Fremde versuchen zu wollen alles sehenswerte abzuklappern … Und es sieht einfach wunderschön bei Euch aus. So friedlich!

  10. von wegen dich vergessen! gegrübelt hab ich, was wohl passiert ist! da kam mir der gedankenblitz, dass ihr sicher im engadin auf käseeinkauf seid……
    schön, dass dein blogg wieder in betrieb ist. lese ihn s e h r gerne.
    alles gute und liebe grüsse

  11. Juhuiiiiiiiii Du/Ihr seid wieder da. Ich hoffe sehr (und basierend auf Deiner Beschreibung zweifle ich nicht daran) dass die Ferien trotz etwas Regen und Kälte schön, ruhig und entspannend waren.
    Herzliche Grüsse
    Chris

  12. Herzlich willkommen zurück! So ein Erholungsurlaub ist immer etwas Angenehmes, egal ob in den Bergen oder am Meer. Hauptsache, es gefällt einem und man kommt zur Ruhe.

    Liebe Grüße, Sus

    P.S.:Was für ein tolles Rindvieh!

  13. Willkommen zurück! Ein Erholungsurlaub ist immer etwas Angenehmes, egal ob in den Bergen oder am Meer. Hauptsache, man kommt zur Ruhe.

    Liebe Grüße, Sus

    P.S.: Was für ein tolles Rindvieh!

  14. @Basler Dybli: der normale Alltag hat uns wieder, und der ist auch ruhig.

    @Sugarprincess: Alter ist kein persönliches Verdienst, deshalb wird auch nicht gefeiert. Hab heute wieder mal ein buntes Gemüseallerlei gekocht, da alle annehmbaren Restaurants in Basel am Montag in seltener Einmütigkeit geschlossen hatten. Danke für die lieben Grüsse.

    @Eva: Das hat wirklich gut getan. Pausen sollte ich öfters einlegen.

    @Micha: das Sprichwort gilt nur für Junge. Springen tun wir nicht mehr, wohin auch. Wir bleiben einfach stehen, die Welt überholt uns von alleine😉

    @lieberlecker: Gut zu wissen, dass man das Kochen nicht verlernt. Bis die Nideltörtli beim Sprüngli in Basel ankommen, sind sie kalt😦

    @SchnickSchnackSchnuck: Du hast das eher begriffen als ich, aber langsam werde auch ich klüger.

    @ninivepisces: wenns nur für ein paar Fotos reicht😉

    @Rosa Mayland: auf hohen Bergen ist man den Träumen näher.

    @felixthailand: Du scheinst Dich ja schon gut eingelebt zu haben.

    @Susanne: Danke für die gute Wünsche. Man muss ja nicht allem nachrennen und ein wenig Hektik darf schon sein, das hält jung.

    @entegut: Danke, es wird in nächster Zeit noch mehr davon geben. Wir lieben Alpabfahrten😉

    @Magdi: das kurze Zusammentreffen hat auch uns sehr gefreut. Ich weiss aber nicht, ob ich Frau L. so schnell wieder aus unserem Zuhause vertreiben kann. Dieses Jahr bestimmt nicht mehr.

    @Anikó: ich würde ja gerne irgendwohin reisen und alles abklappern, aber das geht in unserm Falle leider nicht mehr.

    @Barbara: kalt alleine geht, nur wenn es gleichzeitig nass ist, wirds unangenehm.

    @Sabina: tatsächlich haben wir mehrere Mocken Münstertaler Käse am Ort der Entstehung eingekauft. Der 18-monatige ist unser Sieger.

    @Chris: wie schön, wieder so herzlich empfangen zu werden.

    @Sus: die Kuh, die Amme der Menschheit, ist mir halt gar besonders lieb.

    1. Diesen treffenden Ausdruck für das liebe Rindvieh kannte ich bisher noch nicht. Wunderbar, das passt!

      (Ou i üser Gäget isch ’s Veh wieder ab em Bärg zrugg, und me ghörts bimbele uf de Matte zringsetum.)

  15. Auch meine Wenigkeit freute sich sooo über Deine Rückkehr und den Anfang mit einem so tollen Gericht!

  16. Da hätte ich vor lauter Dienstreisen und Auswärtsessen fast die Heimkehr verpasst. Ich kriege gerade nur das mit dem leeren Kühlschrank hin😉

  17. @Schiller’s I lust ration: 563 Wörter ? Wer liest denn das😉

    @Sous-Chef: Danke, ich schaffs einfach nicht nach Zürich zu Marinello.

    @Buchfink: eine langjährige Leserin ist keine Wenigkeit.

    @Rufus: dafür mit viel Tomaten wie beim Tomatenwerfen in Buñol.

    @bee: ein leerer Kühlschrank ist die Gelegenheit, ihn wieder einmal abzutauen😉

    @Andrea Kording: „nicht leicht spreche ich vom Glück, aber ich glaube beinahe, ich bin glücklich hier“ (Thomas Mann)

  18. Geburtstag? Dann kommen auch von mir nachträglich gaaaanz herzliche Glückwünsche.
    Dein scaloppine-Rezept gefällt mir sehr gut, aber ich muss gestehen, es tritt in den Hintergrund, da die Freude, wieder nach so ungewöhnlich langer Blog-Abstinenz von Dir zu lesen, überwiegt. Beinahe hätte auch ich meine angeborene Zurückhaltung aufgegeben und hätte mir mal eine dezente Nachfrage erlaubt. Aber jetzt ist auch meine Lieblings-Bloggerwelt wieder ins Lot gerückt und ich freue mich.

  19. Herzlich Willkommen zurück, eine absolute Pause von allem muss einfach ab und zu sein, hab ich auch gerade gemacht und es war einfach herrlich.

  20. @mlocuc: unerwartet lauert der Unerwünschte einem einmal jährlich auf.

    @Bonjour Alsace: und schon hat einem der Alltag wieder. Mit all seinen Problemen: staubsaugen, kochen, einkaufen…..

    @Sous-Chef: am 2 November, jaaa und freu.

    @Britta: glaub ich Dir gerne, deine Fotos sehen nach Erholung aus.

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