Saftplätzli „Bettina“mit Doppel-Knack-Erbsen

Saftplätzli Bettina 2014 06 29_4597

Rindsplätzli im Saft: ein für mich typisch schweizerisches Gericht. Wenn es auch nördlich der Schweiz unter dem Begriff „Zwiebelfleisch“ in den Ofen kommt. Da Fleischstücke  verwendet werden, die zum Braten und Schmoren geeignet sind, beispielsweise Stotzen oder Schulter, benötigen sie eine etwas längere Kochzeit. Aber einmal im Topf,  gibt es kaum mehr Arbeit damit. Trotzdem sind sie in Vergessenheit geraten. Altmodisch ?  Grossmutterküche ? Saftplätzli sind neben Tomatenspaghetti und Hörnli mit Hack unser Lieblingsgericht. Siehe hier. Heute in einer Sommerversion von Bettina.

Rindsplätzli im Saft werden in der Regel nicht gebraten, sondern im eigenen Saft gedünstet. Schmorplätzli hingegen werden vorher angebraten und dann geschmort. Zwei unterschiedliche Glaubensrichtungen. Da unsere Familie nicht zur orthodoxen Gruppe der Vorherbrater, sondern zu den abweichlerischen Verfechtern der Saftzieher gehört, musste ich Bettinas Rezept in unserm Sinne ändern, die Zutaten sind jedoch dieselben. Der Aufwand etwas geringer.

Zutaten
Hauptmahlzeit für 2-3 Personen
3 „rechte“ Saftplätzli: grosse, dünne, vom Stotzen
2 Elf. Olivenöl
100 g Zwiebel, mit dem Gemüsehobel in feine Ringe geschnitten
10 g Knoblauch gehackt
ca. 7 g Ingwer, frisch gerieben
4 Blatt Salbei, in Streifen
600 g Berner Rosen, reife Tomaten
1 Msp. Paprika edelsüss
1 Prise Kreuzkümmel (L.: 6 Dreher aus der Gewürzmühle mit Mekeleischa-Gewürz)
1.5 dl Kalbsfond
schwarzer Pfeffer
Salz

für die Doppel-Knackerbsen:
2 Handvoll Knackerbsen, sauber gefädelt, die letzten dieses Jahr. Ersatzweise Kefen.
ca. 50 g Haselnüsse -ein Rest der Weihnachtsbäckerei ;-)-, frisch geröstet und Haut abgerieben.
1 Tlf. Butter
Fleur de Sel, schwarzer Pfeffer

Saftplätzli Bettina 2014 06 29_4595

Zubereitung
(1) Tomaten enthäuten, Kernhaus und Kerne entfernen. Würfeln.
(2) Kerne und Abschnitte der Tomaten in einem kleinen Topf langsam einkochen und durch ein Sieb passieren.
(3) Ofen auf 120°C vorheizen.
(4) Fleisch leicht plattieren, würzen mit Salz und Pfeffer.
(5) Olivenöl in einen Schmortopf geben, den Boden mit einem Teil der Zwiebelringe bedecken, die erste Fleischschicht auf die Zwiebeln legen. Zwiebeln, Tomatenwürfel, Knoblauch, Ingwer und Salbei dazu. Würzen. Die nächste Fleischschicht etc. Normalerweise machen wir das mit 6 Plätzli, gibt 2 Mahlzeiten für uns.
(6) Den Topf verschliessen und in den Ofen stellen.
(7) Nach 30 Minuten des Saftziehens, den Kalbsfond zugeben, wieder verschliessen und den Ofen auf 150°C stellen. Eine weitere Stunde im Ofen belassen.
(8) 4/5 der Flüssigkeit in ein weites Pfännchen mit der Tomatenreduktion giessen und etwa auf die Hälfte einreduzieren. Wieder in den Topf geben, nachwürzen und servieren.

für die Doppel-Knackerbsen:
(9) Knackerbsen fädeln. In kochendem Salzwasser ca. 3 Minuten blanchieren, kalt abschrecken, abtropfen lassen. Im Wok mit den zerdrückten Haselnüssen in etwas Butter dünsten. Würzen mit Fleur de Sel und Pfeffer.

Salbei und Ingwer geben diesem Wintergericht eine Frische, die es sommertauglich macht. Dazu gabs natürlich Hörnli, die ich aber erst nach dem Foto auf den Teller gelegt habe. Und wer neugierig ist, und unbedingt wissen möchte, wer Bettina ist, kann das ja hier nachschauen.

19 thoughts on “Saftplätzli „Bettina“mit Doppel-Knack-Erbsen”

  1. Klar bin ich neugierig!🙂
    Ein sehr sympathisch aussehendes Paar.

    das ist wieder ein super praktisches Rezept, bei dem die Küche schon wieder aufgeräumt ist, wenn das Essen auf dem Tisch steht.🙂

  2. Gutes muss man Gut sein lassen können – das ist das Gute an Traditionen. Zumal die Saftplätzli sehr frisch und überhaupt nicht eingestaubt aussehen!

  3. Ich bin ebenfalls bekennende Saft-Zieherin; dieses Essen mit den vielen Zwiebeln Ingwer etc wäre das Richtige für unsren erkälteten Haushalt heute….

    1. oh je… das hin und her mit den Temperaturen tut halt nicht allen gut. Auch wenn es sich „nur“ um eine Erkältung handelt ist sie überflüssig. Gute Besserung !

  4. 100 Phùnggt – mee isch nit meeglig !!!
    Exgyysi, und welles sind die Drei bi dir/Eych vo dr «kalte» Kùchi ?

    1. gefädelt mag Dialekt sein. Entfädelt korrekter. Knackerbsen sind eine Züchtung aus Erbsen, die jedoch so zart sind wie Zuckerschoten. So dass man alles davon essen kann (mit Ausnahme der Fäden).

  5. Bei uns sind gerade Temperaturen, die mir Lust auf geschmortes machen, wenn dann noch bei dir solche köstliche Saftplätzli in der Sommerversion gezeigt werden, dann ganz besonders. Nachdem ich dieses Jahr offensichtlich die frische Erbsen-Ernte versäumt habe, brauche ich wohl nicht auf die Suche von Knackerbsen zu gehen. Hast du sie jetzt erst in diesen Tagen gekauft?

    1. Die Knackerbsen kaufte ich Ende Juni. Der Produzent sagte, dass es seine letzten seien. Je älter sie sind, desto mehr ähneln sie normalen Erbsen, d.h. man kann davon nur noch die Erbskugeln essen.

  6. Gaanz lecker die Teilchen. Ich habe dünne Scheiben entrecote genommen. Saftig war es – gerne wieder!

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