Tomatenspaghetti. Reduktion auf das Wesentliche

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Als ernsthafter Blogger und Geniesser Tomatenspaghetti auf den Speiseplan zu setzen, grenzt an medialen Blog-Selbstmord. Da mir Internet-Reichweiten egal sind, tue ich das trotzdem. Und es kommt noch besser: ich werde meinen Aufwand für den Blog reduzieren. Ein klein wenig Loslassen. Wenigstens den Sommer hindurch. Es gibt neben der Bloggerei eben noch Dinge, die im Leben eine höhere Priorität einnehmen. Abschiednehmen ist -nach dem französischen Sprichwort- immer ein bisschen wie Sterben. Aber eben: nur Sterben ist wirkliches Abschiednehmen. Und ein wenig Abschiednehmen ist noch lange kein Sterben. Bald kommt der Herbst, dann beginnt unser Sommer. Dennoch ist jetzt eine Henkersmahlzeit fällig: Tomatenspaghetti. Basta. Aus Tomaten und Spaghetti und sonst praktisch nichts. Immer eingedenk des Wortes des hochgeschätzten Blog-Kollegen Claudio: „Erreicht man den Punkt, an dem man erkennt, dass vollkommener Genuss nicht dann erreicht ist, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann, sollte man sich für seinen Mut zur Schlichtheit mit einem Schluck kühlen Weisswein beglückwünschen“.

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Zutaten
1 kg Costoluto oder Merinda Tomaten. Stark gerippte, robuste, sehr aromatische, kleine Fleischtomaten. Oder jetzt reife Berner Rosen oder Marmande.
2 Zweiglein Rosmarin
2 Zweiglein Thymian
Olivenöl
Fleur de Sel

Zubereitung
(1) Die Tomaten rundum mit einem Messer perforieren. Je mehr Löcher, desto besser. In eine hitzefeste Schale legen. Mit etwas Olivenöl besprenkeln, salzen. Kräuter dazu legen
(2) Für 3h bei 95°C in den Ofen stellen (Umluft)
(3) Durch ein Sieb drücken. Die Passata ggf. nachwürzen.
(4) Inzwischen die Spaghetti kochen, abgiessen und mit der Sauce vermischen.

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Das gibt mit besten Tomaten eine minimalistische, aber intensive Tomatenpassata, die sich selbst genügt. Man muss sich halt erst wieder daran gewöhnen, wie Tomaten ohne soffritto und Gewürzbrimborium schmecken. Den Weisswein gönne ich mir beim nächsten Mal, wenn ich auch noch die Kräuter weglassen werde. Vorausgesetzt, es gibt bis dahin noch Tomaten😉

80 thoughts on “Tomatenspaghetti. Reduktion auf das Wesentliche”

  1. Bravo, lieber Robert!
    Du gehst uns aber selbst während einer Pause nicht verloren: es gibt bei dir ja immer wieder Neues in vergangenen Posts zu erkunden!
    Einen geruhsamen, schönen Sommer wünscht dir
    FEL!X

  2. Im Gegensatz zu mir kündigst du das sommerliche Abschiednehmen zumindest an🙂 Hat mehr Stil als mein ‚einfach nicht/kaum noch Bloggen‘, aber bei deiner großen Leserschar fällt es auch mehr auf.

    Lieber Robert, genieße du zusammen mit Frau L. das Mehr an Freizeit – lasst es euch gut gehen!! Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn du wieder mehr präsent bist.

    Thomatenspaghetti pur liebe ich (der Mitgenießer leider nicht)….nur bekomme ich hier nicht ganz so köstliche Tomaten wie du sie hast.

  3. Ein ebenfalls schönes, französisches Sprichwort lautet: il faut reculer pour mieux sauter (man muß zurücktreten, um besser springen zu können). Hüpft schön durch die warme Zeit, habt ein schönes Sommererleben! Ich esse so lange puristische Spaghetti! à plus…

  4. Ich bevorzuge ja aus Gründen des Geschmacks den schrittweise vollzogenen Abschied.

    Also immer weniger Tomatenmark.

  5. Ja, lieber Robert, die Kräuter könnte man eventuell noch weglassen, aaaber den Vino niiiiemals nicht!😉
    Ich wünsche euch einen wundervollen Sommer und freue mich, ab und zu von dir zu lesen.

  6. Lieber Robert, hier kein Kommentar, sondern ein Hilferuf in anderer Sache. Meine schwarzen Nüsse sind fertig. Muss ich sie dann sofort in Portionen (kl. Gläschen) abfüllen oder kann ich sie erst mal in großen Gläsern lagern? Ich hatte das Glück wirklich sehr viele zu bekommen. Vielleicht kannst du mir ja helfen. Im Voraus schon vielen Dank Evelyn

    1. da ich mich in Sachen Konservierung immer ängstige, der Inhalt könnte verschimmeln oder in Gärung geraten, ziehe ich kleine Gläschen vor. Da fehlt mir das Wissen der erfahrenen Hausfrau. Vielleicht kannst Du sie in grosse Gläser abfüllen, und für den Gebrauch vorzu portionieren und den Sirup jeweils beim umfüllen nochmals abkochen.

      1. Vielen Dank für deine schnelle Antwort, ich probiere einfach mal die Hälfte in kl. Gläschen aus und die andere Hälfte in größeren Gläsern.
        Wenn ich noch mehr Sirup dazu brauche, wie würdest du ihn strecken?
        glg Evelyn

  7. Spaghetti pur mit den herrlichen Tomaten: passt gut in meine Pasta-Wochen. Ich wünsche Euch einen herrlichen und erholsamen Urlaub, geniesst die Tage – auch mit gutem Essen – und freut Euch auf Euren „Sommer“, der wahrscheinlich unsere Jahreszeit Herbst sein wird.
    ich freue mich schon auf den ersten „sommerlichen“ Post …
    L.G., nika

  8. Einen schönen Sommer Euch🙂
    Und Bloggerei hin oder her….über gute, schlichte Tomatenspaghetti, da geht so schnell nix drüber.

  9. Wie köstlich. Schönen, nicht zu heißen Sommer wünsche ich und guten Genuss! Der Herbst kommt schneller, als wir denken, die ersten – frühen – angeblich regionalen Zwetschken haben wir schon probiert. Und freun uns auf die zweiten.

      1. Ja, im Prinzip dauert die Tomatenzeit nicht länger als die von Spargel, Rhabarber & Co.
        Ein echter Saisongenuss für die Monate August und September.

  10. Wenn ich die Kräuter weglassen würde, dürfte ich dann ein klein wenig Belper Knolle über die Spaghetti hobeln😉 ?

    Ich wünsche euch einen schönen Sommer!
    Und….vielleicht bis zum Herbsttreffen in Würzburg😀

  11. Nach so vielen Jahren ist eine Sommerjause mehr als verdient. Ich hoffe, ihr könnt sie genießen!
    Und da ich dass mit der Tomatensauce kaum glauben kann, werde ich es schleunigst testen (meine schlichteste Variante besteht aus Butter, wenig Zwiebel und vielen reifen Tomaten).🙂
    Liebe Grüße und alles Gute,
    Eva

    1. Dane Eva, kanns gebrauchen, die ganze Infrastruktur hier (Frühjahrsputz, Steuern, Regelung des Ablebens etc.) liegen im Argen. Ich muss mich jetzt mal drum kümmern.

  12. Ein Sternekoch aus Italien: Fulvio Pirrangelini, früher San Vincenzo jetzt Rom, schrieb vor Kurzem in der FAZ: Er hätte des Öfteren Gäste zur Rede gestellt, weil sie für ihre Kinder Spaghetti al Pomodoro geordert hatten. Als wäre es ein Kinderessen. Dabei ist es ein heiliges Gericht, dem man sehr viel Aufmerksamkeit widmen müsse. Recht hat er, genau wie du!

    1. Ja, sollte man denn nicht gerade Kinder schon früh in die besonders hohe Etage guten Essens einladen? Warum sollte man ausgerechnet Kindern vorenthalten, was ihm als heilig gilt? Logisch kommt er mir nicht daher, der gute Herr Pirrangelini!

    2. Als Kind bekommt man den Hintergrund meist nicht ganz mit, aber dass man den Spaghetti viel Aufmerksamkeit widmen muss: darin hat er recht.

  13. Der Mut zur Schlichtheit wird leider unterschätzt, deshalb ziehe ich einmal mehr meinen Hut!
    Ich wünsche Euch Beiden einen genussvollen Sommer.
    Liebe Grüsse aus Zürich und bis bald,
    Andy

  14. Noch gar nie niemals nicht wurden Nudeln und Tomaten philosophischer dargeboten. Und das mit dem geschätzten Augenzwinkern.

    Schönen Sommer!

  15. Soo guet – grad Beides.
    I wynsch dir / Eych e wunderscheeni Summer- bzw. Speetligzyt und fraie mi scho jetzt, sobald‘ i iirgendwènn‘ èmol wiider vo dir dèrf läse. Machet‘ s guet und bliibed gsùnd und gfräässig !

  16. Mit solchen Tomatenspaghetti kommen auch wir gut durch den Sommer.
    Danke und schöne und erholsame Sommertage!

  17. Einfache Gerichte können genauso befriedigend sein wie komplizierte🙂
    Ich wünsche euch einen erholsamen und ruhigen Sommer, der viel Zeit lässt für die Dinge, die euch wichtig sind.

  18. Nudeln mit Tomatensauce sind immer noch ein absolutes Lieblingsessen – und in der einfachsten Form am besten! Viel Spaß im Blog-Urlaub! Ich freu mich auf den Herbst😉

  19. „Nur“ Spagehtti mit Paradeisern … Eines der tollsten Essen überhaupt ist das. Etwas so auf ein Minumum reduzieren zu können und dennoch so etwas Geniales zu kreieren, das muss einmal jemand zusammenbringen.😉

    Mir ist bei deinen Worten grad das uralte Lied von Trude Herr eingefallen: „Niemals geht man so ganz …“ Tschüss, du Vagabund, lass es dir gut gehen in den heißen Wochen!

  20. Zufällig sitze ich jetzt mit einem Gläschen Weisswein – zufällig den gleichen, den Felix regelmässig trinkt und erwähnte – am Bildschirm und staune, aber nur ein bisschen, denn ich sah schon lange, dass bei Dir auch ganz einfache Gerichte geschätzt sind. Wenn ich Tomatenspaghetti mache, würfle ich die Tomaten, gebe reichlich Knoblauch, etwas Zwiebeln und ein paar Kräuter dazu, fertig. Das ist dann halt nicht rot überall an den Spaghetti.

    Deine Passata ist derart nachmächelig, dass ich sie bestimmt machen werde, wie schon vieles von Dir, unerwähnterweise.

    Es gibt so gute Kräuter, auch hier, dass ich nicht auf absoluten Minimalismus mache, aber ich mag einfache Zubereitungen ohne viel Chi-chi, wegen der Arbeit. Für mich ist gut essen mit gutem Geschmack verbunden, nicht mit Brimborium und nicht wirklich mit guter Gestaltung, auch wenn es Freude macht, einen schönen Teller zu sehen. Die Bauersfrau im Piemont, oder die gute Köchin wo auch immer, kocht ein fantastisches Gericht, mit Kräutern und allem, aber ohne Schnickschnack, und ich mag dies viel lieber als Essen im edlen Restaurant. Dort ist oft das Erlebnis der Punkt und nicht der Geschmack der Gerichte. Ich bezeichne es als dekadent, sorry.

    Ich wünsche Dir und Frau L. einen schönen geruhsamen Sommer, oft im Jurahäuschen, hoffe ich.

    1. Danke Erich, ja, bei schönem Wetter werden wir dort öfters sein. Nach Ferien steht uns der Sinn nicht mehr. Mich zieht es auch immer mehr zu den einfachen Sachen. Wie z.B. den Aprikosensalat der Sabine. Nur zwischendurch mal etwas komplizierteres, zum überprüfen, ob das auch noch geht😉

  21. Lieber Robert, in den einfachen Gerichten zeigt sich die wahre Größe des Kochs. Kein Gericht der Welt habe ich so oft gegessen… kein Gericht der Welt hat mich so oft enttäuscht… wie Spaghetti mit Tomatensauce. Ich finde daher nichts Verwerfliches daran, ein anständiges Rezept dafür zu posten. Einen schönen Sommer dann… und einen lieben Gruß aus Wien von Frau Ziii

  22. Die große Kunst ist dann erreicht wenn man nichts mehr weglassen kann. ( Chinesisches Sprichwort)

  23. So koche ich auch am liebsten. Bei guten Zutaten braucht man meist nichts zu verbessern oder hinzuzufügen, sie schmecken ohne Schnickschnack am besten (leider brauchen meine eigenen Tomaten noch ein wenig, bis sie zum Einsatz kommen können …).
    Liebe Grüsse,

    Katrin (bei mir darf noch ein wenig Knoblauch mit an die Sauce :-))

  24. Jetzt beginnt die Zeit der wohlschmeckenden Tomaten, auch hier im Hohen Norden, hach, was für ein feines Gericht

    1. es ist nicht nur die Zeit, sondern auch die Sorte, die über den Geschmack bestimmt. Bei uns gibts auch im Hochsommer wässrige, geschmacklose Tomaten.

  25. Geht in Richtung Spaghetti Promontogno (grandioses Rezept, und Ort übrigens), unschlagbar ist aber die berühmte Tomatensoße von Marcella Hazan: Tomaten, Zwiebeln, Butter, und zwei Stunden köcheln, ohne Kräuter. Grande Simplification!

  26. Oh wundervoll – ich hatte gehofft, in diesem feinen Blog die ultimative Tomatensauce für Spaghetti zu finden und wurde nicht enttäuscht! Vielen Dank und schönen Urlaub!

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