CH-16669 Lessoc

CH-1669 Lessoc: Im Vallée de l’Intyamon



CH-16669 Lessoc

Von Bergen umschlossen, von Weiden und Wäldern umgeben, liegt am Rand des Freiburgerlandes das Intyamon-Tal. Wer von Bulle nach Château-d’Œx fährt, wird es kennen. Doch, wer macht hier schon Rast ? Wer hat sich schon in den Dörfern des Intyamon umgeschaut ? Hier sprechen die Alten noch den Dialecte gruyérien. Der patois fribourgeois gehört der Gruppe franko-provenzalischer Dialekte an, die in Abwandlungen auch in Savoyen, im Südburgund und im Aostatal gesprochen werden. Intyamon bedeutet auf Deutsch „zwischen den Bergen“. Beidseitig der Saane (Sarine) entlang, liegen verschiedene, kleine Dörfer. Keine grossartigen Sehenswürdigkeiten, kaum Tourismus, aber in ihrer Art sind sie dennoch einmalig, hübsch herausgeputzt und deshalb sehenswert. zum Beispiel Lessoc. Keine 200 Einwohner wohnen hier.

Mitten auf dem Dorfplatz steht ein achteckiger Brunnen, mit einem Zwiebeldach überdacht. Das Dach soll vom Gemeinderat angebracht worden sein, nachdem ein angesäuselter Bauer nachts bei Vollmond sein Pferd tränkte. Das Pferd sah den Widerschein des Mondes auf dem Wasserspiegel  und versuchte, den Mond wegzutrinken, was ihm nicht gut bekam. So die Legende.

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Der oktagonale Brunnen

Im schönen Ortsbild finden sich alte, malerische Häuser samt einer alten Auberge. Ein Steinhaus aus dem Jahre 1648 lässt erahnen, welchen Wohlstand die Viehzucht und der Kornanbau den während des 30-Jährigen Krieges im Frieden lebenden Berner und Freiburger Bauern gebracht hatte.

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Lessoc: Bauernhaus
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Lessoc: Steinhaus, 1648. 
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Die Kapelle im Weiler Buth bei Lessoc ist der „Notre Dame des Neiges, unserer Schneefrau“ geweiht.

Sehenswert ist auch die alte Holzbrücke im Originalzustand aus dem Jahre 1667, welche die Sarine (den heutigen Stausee Lac de Lessoc) an einer engen Stelle überspannt und die Dörfer Lessoc und Montbovon verbindet.

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Die gestaute Saane bei Lessoc. Im Hintergrund die Berge des pays d’enhaut
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Engpass der Saane bei Lessoc
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Alte Holzbrücke von Lessoc

Amtssprache ist französisch. 1886 wurde der Gebrauch des Dialektes in den Schulen amtlich verboten. Das erinnert mich entfernt an Brüsseler Entscheide. Der Erhalt der regionalen Sprachen setzt Toleranz voraus, Einsicht und Verständnis im Verhältnis zu Minderheiten. Erst 1961 wurde das Verbot wieder aufgehoben.

27 thoughts on “CH-1669 Lessoc: Im Vallée de l’Intyamon”

  1. Sprachen verbieten ist wie Freiheit verbieten, dabei machen sie uns so reich, die einen und die andere. Und so schöne Bilder. Nachdenkliche Grüße – habt einen milden Sonntag.

  2. Zem erschte Helge – isch das e (indiräggts) Portrait vom „Mäxle“ ? 😉
    Sooo wit ewäg isch di Gedanggespiil mit Brüssel gar nit. I ha uf jede Fall èbis dergeege, dass alles yyber ei Strääl muess zooge wärde.
    E sunnigwarme Gruess und beschti Wynsch fir e scheene Sunntig.

    1. Ja, das ist Mäxle. Im Dorf hat es kaum Parkplätze, Frau L. konnte wegen ihres Fusses nicht herumlaufen und wollte im Schatten abgestellt werden😉

  3. Es ist sehr beruhigend zu wissen, dass es noch vom Tourismus verschonte Regionen gibt. Und das, obwohl das Intyamon deinen Bildern nach wunderschön sein muss!🙂

  4. „1886 wurde ,….. Erst 1961 wurde …“
    Vielleicht sind die Brüsseler Europäer ähnlich einsichtig wie die Schweizer und heben manche ihrer schwer nachvollziehbaren Verordnungen auch nach 75 Jahren wieder auf …
    Ein sehr schöner Sonntagsausflug, danke fürs Mitnehmen!

  5. Grossartig, die gut erhaltenen alten Häuser. Das gibt es hier in Thailand kaum, einzig Teile von Tempeln, Stadtmauern. Dialektverbote gibt es aber auch hier in Thailand in der Schule, und an der American School in Taipei war um 1990 und ist sicher auch heute noch der Gebrauch jeder Sprache ausser Englisch auf dem gesamten Schulgelände untersagt. Ich habe für beides Verständnis.
    Wir sähen von jungen Leuten in der Schweiz besseres Deutsch geschrieben, wäre Dialekt aus den Klassenzimmern verbandt. Sprechen würden sie Deutsch allerdings immer noch nicht anders, weil es die Lehrerschaft ja auch nicht besser kann.

    1. Dialekt ist heute mehr und mehr eine identitätsstiftende Gegenbewegung zur Globalisierung. Dafür müssen Defizite in der Hochsprache in Kauf genommen werden.

  6. Naja, spätestens seit dem nahezu (!) flächendeckenden Erscheinen der Sat-Schüsseln ist es mit den Dialekten etc. etwas dahin – nur mehr piefkisch, Manno – können die Jugendlichen gar nicht mehr genug von kriegen.😈

    1. Dialekt zeigt die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen, zu einer bestimmten Region und stiftet somit Identität. Lokale Dialekte sind hier wieder im Aufwind, trotz gestiegener Mobilität und der hiesigen Kleinräumigkeit. Ob das auch die Kultur fördert, werden wir sehen.

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