Malloreddus

Malloreddus, Gnocchetti sardi mit Linsen und Tomaten

Malloreddus

An Malloreddus, den sardischen Gnocchetti, hatte ich mich in meinen Anfängerzeiten schon vergeblich versucht. Damals gerieten mir die kleinen Gnocchi zu dick und setzten sich, trotz einer Kochzeit von über 20 Minuten, kaugummiartig im Gaumen fest. Worauf ich die Finger von den „Malloreddu“ liess.  „Out of fingers, out of mind“. Pleiten einfach zu vergessen, konnte man sich früher noch leisten. Moderne foodblogger gehen Misserfolge heute anders an. Sie machen aus der Nudel ein Projekt. Dann wird ein Bündel zielgerichteter und abgestimmter Tätigkeiten in Angriff genommen. Schwierigkeiten, Fallgruben und Zwänge werden kühn umgangen, um das Vorhaben (die gelungene Nudel) termingerecht dem erfolgreichen Abschluss entgegen zu führen. Das kann ich nicht, lasse mich lieber ziel- und projektlos durchs kochende Internet treiben. Greife auf, was mir gerade gefällt.

So bei Micha vor Weihnachten. Ganz ohne Brimborium sind ihr schöne Malloreddus gelungen. Ein jedes der Malloreddu sieht aus wie das andere.  Geometrisch perfekte Hohlzylinder mit seitlicher Öffnung wie im Italien-Kochbuch der Sabine Sälzer. Die gefielen mir. Und inspirierten zum Nachkochen.

Allerdings nach eigener Technik. Kochbüchern über Italien traue ich nur, wenn sie von Italienern geschrieben sind. Den Pastateig walzte ich auf eine Dicke von ca. 1,5 mm herunter, mit einem 2 cm Ausstecher stanzte ich kleine Kreise aus, die ich dann über ein Gnocchibrett abzog. Das Ergebnis waren kleine und vor allem gleichmässig dünne Malloreddus, die jedoch im Aussehen eher an Cavatelli rigati erinnern, da mein Gnocchibrett zu grob kanneliert ist.

Fleisch- bzw. Wurstragout brauchten auch wir keines. Der leichte Safrangeschmack der Gnocchetti harmoniert auch in einem vegetarischen Gericht wunderbar zu den orangig-tomatigen Linsen. Sowohl Tomatenpassata wie die confierten Tomatenfilets stammen aus eigener Kleinst-Produktion vom letzten August.

Malloreddus mit Linsen und Tomaten


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Zutaten
für den Teig:
150 g Hartweizenduns (De Cecco, rimacinata)
50 g Weissmehl
1/2 Sachet Safranpulver (60 mg)
90-100 ml lauwarmes Wasser
Prise Salz

für die Tomatensalsa:
3 Elf. Orangenöl
30 g Schalotte, fein gehackt
30 g Karotten, fein gewürfelt
30 g Stangensellerie, fein gewürfelt
1/2 Chili, fein gewürfelt, ohne Kerne
30 ml Orangensaft
2 dl Tomatenpassata
Salz, Pfeffer
ca. ein Dutzend Tomatenfilets, confiert

für die Linsen:
80 g grüne Linsen, erlesen
Meersalz

30 g zerbröckelter Fetakäse

Zubereitung
(1) Die Mehle und Salz mischen. Safran im Wasser lösen bzw. suspendieren, zu dem Mehl geben und daraus einen festen, nicht klebrigen (!) Teig kneten. 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
(2) Mit der Pastawalze 1-1,5 mm dicke Platten ausrollen, mit einem kleinen Ausstecher 10 Cent-grosse Kreise ausstechen. Die Kreise mit dem Finger aufs Gnocchibrett drücken, so dass am Rand ein kleiner Wulst entsteht und dann mit dem Finger über den Brettrand abziehen. Möglichst kein Mehl verwenden.
Wer einen geeigneten Finger hat, kann sich das Ausstanzen ersparen, den Teig in Portionen zu einem 1 cm dicken Strang ausrollen, davon ca.3 mm dicke Scheibchen abschneiden und die über das Gnocchibrett abziehen. So machen es die sardischen Mammas.
(3) die Gnocchetti auf einem Trocknungssieb 2 Tage an einem warmen Ort durchtrocknen lassen.

für die Salsa:
(4) Schalotte, Karotte und Selleriestange im Orangenöl farblos andünsten. Mit dem Orangensaft und der Salsa ablöschen und ca. 45 Minuten leise simmern lassen. Würzen mit Salz und Pfeffer. Ggf. wenig Wasser nachschütten.

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meine (aufgetauten) Sommertomaten

für die Linsen:
Linsen in schwach gesalzenem Wasser während etwa 20 Minuten weichkochen, abschütten und zur Tomatensalsa geben. Die Tomatenfilets im letzten Moment dazugeben und aufwärmen.

finish:
Die Malloreddus in gesalzenem Wasser al dente kochen (bei mir ca. 14-15 Minuten), abgiessen, mit der salsa mischen und mit etwas Feta oder Schafkäse bestreuen.


Schneller und vor allem perfekter ginge die Herstellung der Malloreddus mit einem Maschinchen. Der output (nun rede ich auch schon wie ein Projektmanager) liesse sich damit mindestens um den Faktor 12 steigern. Aber was machen mit so vielen Malloreddus ?

34 thoughts on “Malloreddus, Gnocchetti sardi mit Linsen und Tomaten”

  1. Ich muss das unbedingt probieren – am besten, bevor neben der Kaltwalzstraße und der Kleinkäserei auch noch eine Pastastanze in Eurer Küche steht😀

  2. Deine Pasta ist einfach die schönste.
    Ich glaube, ich kaufe mir jetzt mal einen großen Sack Geduld. Und dann fange ich mal an…..

  3. Mensch, deine Malloreddus mit dieser so gelüstenden Soße… wenn ich nur schon so ein Holzdings hätte, dann könnte ich mich mal ran machen ans Nudeldrehen😉

  4. Du meine Güte sind die deinen zart geworden – dagegen sind meine rustikale Dorftrampelchen. Und das Muster!
    Ich bin hingerissen und gebe mich vom Pastakönig unter den Foodies gerne geschlagen! Achja: auch die Sauce gefällt mir dazu gut!

    1. deine „Dorftrampelchen“ (welch hübscher Ausdruck) waren mir Inspiration und Vorlage. Du lebst im Dorf und machst sie nach ländlicher Art, ich lebe in der Stadt und mache sie halt städtisch.

  5. So ähnlich aussehende Teilchen essen wir hier auch, nur sind es hier nicht Pasta, sondern die nach dem Abwickeln der Seide im heissen Wasser zurückbleibenden Seidenraupen. Fingerfertigkeit ist nicht erforderlich. Die Salsa mit den Linsen klingt sehr lecker, nachkochanimierend.
    Grüsse aus angenehmem Wetter, 14-17 C am Morgen, 25-27 C am Nachmittag, Erich

  6. Sehen aus wie Stachys… hoffentlich beginnt es nicht gleich zu krabbeln im Teller…
    Gruss Bea

  7. Mir ist eigentlich egal, ob sie Dir damals zu dick geworden sind oder sonst was – wenn Du wieder da bist, ist mir das fein!!

  8. Sooo schnuusig – Du bisch e Kinschtler !
    I glaub i mach mer die eifach mit „aglio, olio e peperoncino“

  9. Schön! Bin sentimental. Krank am Sonntag und Ramazotti hörend. Dazu diese feine Pasta. Wünsche euch einen sonnigen Sonntag!

  10. Ich habe heute Nacht von dir und Frau L. geträumt. Ein aufwühlender Traum. Du erzältest mir, du seits in Wirklichkeit Fischer von Beruf gewesen🙂
    Ich bin morgens aufgewacht und hatte den eindruck du warst zu Besuch bei mir.

  11. Das sieht ja mal wieder absolut perfekt und so liebevoll aus🙂 für mich wäre dann aber wohl auch eher die rustikalere Dorf-Version geeignet…

  12. Wie schön die „kleinen Bullen“ aussehen. Leider fehlt mir bereits ein solches Brett für Gnocchi. Mal sehen was das Netz so bietet…danke für diesen tollen Blog, der immer wieder unsere Kochabende anregt. Herzl. Grüsse Christoph

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