CH-4532 Feldbrunnen: Schloss Waldegg

CH-4532 Feldbrunnen: Schloss Waldegg

CH-4532 Feldbrunnen: Schloss Waldegg

Vor den Toren der Stadt Solothurn liegt -von Balsthal her kommend nicht zu übersehen- Schloss Waldegg. Eine lange Baumallee führt zum erhöht gelegenen Barockschloss mit seiner Gartenanlage. Von weitem betrachtet, ein kleines Versailles. Aus der Nähe zeigt es sich „bloss“ als ein langgestrecktes Solothurner Türmlihaus mit insgesamt 5 auf einer Reihe angeordneten Türmchen. Die drei mittleren Türme umschliessen den Kernbau. Zwischen den Türmchen ländlicher Barock und italienische Renaissance. Die äusseren Flügeltürme rahmen beidseits schmale, luftige Galerien ein, die an Liegeterassen eines alten Lungensanatoriums erinnern. Immerhin tragen diese Aussenräume zum pompösen Gesamtbild bei.

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Das Gebäude wurde zwischen 1682 und 1690 als Sommerresidenz des Schultheißen Johann Viktor von Besenval und seiner Frau Maria Margaritha von Sury erbaut. Das von seinen Söhnen erbaute Stadtpalais haben wir früher schon einmal besucht (siehe hier).

Der Vater von Johann Viktor, der alte Martin Besenval (Bösenwald) stammte aus dem Aostatal, kam in Augsburg als Silberkrämer zu Geld und liess sich 1628 in Solothurn nieder. Mit dem Handel in Silberwaren, Korn, Wein und Salz machte er sich (als Kriegsgewinnler des 30-jährigen Krieges) ein Vermögen und stieg innerhalb kürzester Zeit vom Parvenu in die Solothurner Oberschicht auf. Solothurn beherbergte von 1530 bis 1792 die französische Gesandtschaft in der Alten Eidgenossenschaft (daher der Name Ambassadorenstadt). Den Söhnen des Solothurner Patriziats standen deshalb Karrieren im französischen Königreich offen.

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Der 1638 geborene Johann Viktor von Besenval avancierte im Schweizergarderegiment in Paris zum besoldeten Hauptmann. Später übernahm er in seiner Heimatstadt leitende Positionen und wurde der reichste und mächtigste Solothurner seiner Zeit. Er versuchte Solothurn nach französischem Vorbild in einen absolutistisch regierten Stadtstaat umzugestalten. Als Fürsprecher der Franzosen in der Eidgenossenschaft und Vermittler von „Kriegsmaterial“ (kampfstarken Söldnern) kassierte er vom Sonnenkönig erkleckliche Summen an Pensionen (heute würde man die als Schmiergelder benennen). Die Familie stellte wiederholt den Schultheissen von Solothurn und beherrschte mit den französischen Pensionsgeldern zwischen 1707 und 1723 die Stadt de facto im Alleingang.

Später folgte auf Waldegg Peter Viktor von Besenval, der in französischen Diensten eine militärische Muster-Karriere absolvierte. 1758 wurde er zum französischen Feldmarschall ernannt, 1767 Oberstleutnant des Schweizergarderegiments, 1781 Oberbefehlshaber der Truppen und Garnisonen im Innern Frankreichs. Während der Französischen Revolution war er Kommandant der zur Niederschlagung der Unruhen nach Paris beorderten Streitkräfte.

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Der Verlust der Salzpacht und anderer Machtmonopole sowie die Beschlagnahmung ihrer Ländereien im Elsass nach der französischen Revolution bewirkte den schleichenden wirtschaftlichen Niedergang der Familie. Der Verkauf von Landbesitz und Umwandlung in Wertpapiere erlaubte der Familie dennoch, ihren Lebensstil über das Ende des Ancien Régime hinaus weiterzuführen.

Im Schlossgebäude wurden Ende des 19. Jahrhunderts getrennte Wohnräume für die Besitzerfamilie eingerichtet und das Schloss ganzjährig bewohnbar gemacht. 1927 starb die Familie aus. Spätfolgen der Strategie, durch Heirat in immer die gleichen Familien (von Sury, von Roll und die eigene), das Geld zusammenhalten zu wollen.

1963 ging das Schloss als Stiftung an den Kanton Solothurn. Heute dient es als Wohnmuseum und als Veranstaltungsort für Ausstellungen, Konzerte und private Anlässe.

CH-4532 Feldbrunnen- Schloss Waldegg (2015 03 19_7298)
Ländliche Venus: Schnitterin mit Handsichel und geernteten Feldfrüchten

Feldarbeit macht einfach Freude. Früher dem Adel, heute dem Kunstfreund😉

Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz: Besenval u.a.
Wiki: Schloss Waldegg

14 thoughts on “CH-4532 Feldbrunnen: Schloss Waldegg”

  1. Danggscheen fir dä interessanti Post !
    Und – gar nit gässe oder an de gäärntete Frücht vo dr Kunscht Labig gfunde ? 😉

  2. Ausnahmsweise ein Bericht über ein Gebäude, das auch ich besucht habe. Einer meiner Söhne hatte darin seine standesamtliche Hochzeit. Wenn es auch kein eigentliches Schloss ist, hinterliess es doch einen sehr stattlichen Eindruck.

  3. ein sehr schönes + ansprechendes gebäude (vielleicht auch weil etwas -schweizerische- vernunft mit im spiel ist)
    + dass auf jeden aufstieg auch ein niedergang folgt
    ist das jetzt einfach nur der lauf der dinge oder sogar ein bisschen tröstlich?
    danke für diesen bericht + einen schönen sonntag!

    1. ich weiss nicht, was ich auf die Frage antworten soll. Beides ist wohl zutreffend. Das Eine manchmal mehr als das Andere, oder umgekehrt ?

      1. ich weiss auch nicht was mich da gestern so überfallen hat
        am ehesten ausgelöst durch die kombination von kriegsgewinnlerei mit so einem ruhigen + elegantem ambiente

  4. Ich freue mich immer hier von euren „Sonntagsausflügen“ zu lesen, ist es doch ein Zeichen, dass es Frau L. besser geht und ihr wieder eure Ausfahrten unternehmen könnt.

  5. Heimatgefühle! Da hat meine liebe Mutter sel. vor vielen, vielen Jahren -1934/35- noch als Köchin gearbeitet. Danke für den Bericht.

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