CH-4058 Basel: Rosental

CH-4058 Basel

Da wir derzeit kaum mehr ausreisen können, habe ich mich in einem Quartier ausserhalb des Altstadtkerns vor der Haustüre umgesehen. Dieser Stadtteil ist nach dem früheren Landgut „zum Rosental“ benannt. Warum ich moderne Architektur in den Besuchsberichten in meinem Blog meist ausblende und konsequent nur Bauten aus vergangenen Jahrhunderten zeige, hat seine Gründe: Früher wurden Gebäude von Baumeistern mit Sinn für schöne Proportionen erbaut. Was in den vergangenen Jahrzehnten von studierten, aber phantasielosen Architekten erbaut (hingeklotzt) wurde, davon zeugen heute in jeder europäischen Stadt unzählige banale, ja trostlose Bauten, die, kaum erstellt, besser gleich wieder abgerissen würden. Wo Kreativität und Phantasie fehlen, helfen auch modische Dekorationen nicht. Schrott bleibt Schrott. Aber lassen wir das, heute ist Sonntag. Dass es auch anders geht, zeigen wenige, in den Besuchsbericht eingestreute Beispiele guter, moderner Architektur, die auch in zwanzig oder 100 Jahren noch gut und sehenswert sein werden.

Die ersten beiden Bilder stammen von dem an sich hässlichen Autoparking der Deutschen Bundesbahn beim Badischen Bahnhof. Stahlträger, Betonplatten, Parkplätze.  Der vertikale Anstrich eines Malermeisters aus geschätzten 100 unterschiedlichen Farbkübeln erhebt den trostlosen Renditebau zur Sehenswürdigkeit.

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Der blaue Messeturm ist nach meinem Empfinden schön geraten, klar, geradlinig, eine senkrechte Wegmarke Richtung Frankfurt.

Nebenan der neue Kopfbau der Mustermesse Basel mit dem Loch im Dach. Hier möchte man sich auf die Tramgeleise legen und gespannt dem Treiben der Wolken zusehen. Führen da nicht andauernd Strassenbahnen durch.

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Schade nur, dass das witzig-gewellte Dach der vertikalen Linie des Messeturms quer im Wege steht.

Anschliessend habe ich mich im neuen Erlenmattquartier umgesehen. Hier wird auch gebaut. Mehr gibts dazu nicht zu sagen.

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Nichts wie weg hier. Erholung bietet ein Landsitz vor den Toren Kleinbasels, die Sandgrube. Ein wunderschöner Barockbau, erbaut für einen Seidenbandfabrikanten um die 1751.

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Der Platz vor dem Hauptportal dient sonst den Lehrern als Gratis-Autabstellplatz

1931 kaufte die Stadt Basel das Anwesen und benutzt es seither als Lehrerseminar.

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Sandgrube: die örtlich versetzte und rekonstruierte Orangerie

Frisch erholt habe ich mir noch den neuen Rocheturm (187m) im Wettsteinquartier nebenan angesehen.

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Drei Baustile hintereinander: vorne das gediegene, schöne, alte Verwaltungsgebäude der Hoffmann-La Roche AG aus dem Jahre 1936 (Architekt: Otto R. Salvisberg). Dahinter  zwei zeitgeistige Bürosilos. Das hohe von Herzog&DeMeuron.
CH-4058 Basel

Weiter an den Rhein, Mehrfamilienhäuser einer neuen Überbauung, deren dunkle Holzoberflächen den Loggien angeblich „eine taktile Sinnlichkeit“ vermitteln sollen. Die Sinnlichkeit scheint mir eher vom farbigen Plastikgestühle zu kommen. Rechts das einfache Haus eines Baumeisters aus dem Jahre 1347, ganz ohne visuelle und taktile Reize.

Lebensqualität in der Rheingasse.

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oder am Rheinweg. Womit wir wieder in der Altstadt angelangt sind.

„Schön ist es auch anderswo, Und hier bin ich sowieso“ (W. Busch, Plisch und Plum). Bloss nicht stolpern !

13 thoughts on “CH-4058 Basel: Rosental”

  1. Funktionieren in seltenen Fällen die modernen Bauten zumindest für sich selbst, muß man aber spätestens wieder die Hände über dem Kopf vor Grauen zusammenschlagen, wenn es um die *Einbeziehung* der bereits bestehenden Umgebung geht. Ich habe ja gerne polemisiert: Modern wollen sie bauen, die jungen Damen und Herren Architekten, aber sie selbst wollen in einem Altbau wohnen…
    solidarische Grüße…

    1. Der Gegensatz alt-modern kann ganz reizvoll sein, bedingt jedoch, dass der Architekt viel Einfühlvermögen besitzt und nicht nur seinen Stil durchsetzen will.

  2. Dini Gedangge und Schlussfolgerige degge sich mit mine. Mit de Gebäulichkeite vo dr neye Muba hèèrt s‘ Sehenswärte uf.
    Do lob‘ i mir die viele interessante und reizvolle Egge (mit Gschicht und Gschichte) im Zentrum vo Basel.

  3. Herzlichen Dank für einen schönen Sonntagsspaziergang durch überwiegend bekanntes Revier – allerdings mit neuen Perspektiven.
    Am nachhaltigsten ist mir ein Graffito vom Rheinufer aus den 80er Jahren in Erinnerung geblieben: ‚Danke Anthroposophen für die gute Erziehung!‘
    (Ob das Graffitosprühen auch dazu gehörte??)

    1. Die heutigen Graffiti haben am Rheinufer nur noch eine kurze Halbwertszeit. Mir ist nur eines in Erinnerung geblieben, auf eine Mauer unterhalb einer Hecke gesprayt: „Hecken schützen nicht vor Heckenschützen“.

  4. Interessanter Spaziergang durch die Architektur. Ja, die alten Häuser sind heimeliger, lieblicher. Wären die Fensterläden und die Kreuzstöcke (weiss noch jemand, was das ist?) jedoch weggelassen, sähen die Fassaden fast sehr modern aus, moderner als der Silo von Roche, imho.
    Gruss aus einem neuen Haus, Eigenentwurf, Erich

  5. Danke für diese Zeilen und vor allem für die schönen Fotos. Macht sehr viel Spass deinen Blog zu lesen, und ich bin ganz deiner Meinung, dass in vielen Fällen alt und jung sehr gut harmonisieren könnten, aber es gelingt definitiv nicht immer.Die alten Bauten haben sehr viel „Charme“ sag ich mal, wogegen die moderne Architektur eher kalt und gradlinig ist, was ich aber durchaus auch sehr liebe.Mir imponiert immer, wenn ich vor einem alten Gebäude stehe und ich sehe die ganze handwerkliche Arbeit die noch da drin steckt , und wenn man weiss unter welchen Bedingungen und mit welchen Hilfsmitteln, die Leute früher gearbeitet haben. Der Wahnsinn! Heute haben wir mehr Technik als uns lieb ist, fast alles ist realisierbar, aber wir bauen quadratisch praktisch gut.
    Na ja, im Leben sollte man ja offen für alles sein, in diesem Sinne, wünsche ich dir eine schöne Woche.
    Malou

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