CH-4305 Olsberg: Hortus Dei

CH-4305 Olsberg: Hortus Dei

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Beseits von Rheinfelden hinauß ist ein thälin, dadurch läuft ein wässerlin in Rhein zwischen zwei hohen Bergen und Wälden. Do ist gelegen ein Closter…“ So beginnt der spätmittelalterliche Text „Hunenschlacht und Gründung Olsbergs“ im Buch „Schweizersagen aus dem Aargau“.

Olsberg ist etwa seit dem 8. Jahrhundert besiedelt und wird urkundlich erstmals erwähnt in Zusammenhang mit der Gründung des Zisterzienserinnenklosters Hortus Dei. Ältere Siedlungsspuren aus Jungsteinzeit und der Römerzeit übergehen wir grosszügig.

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Der Hofhund auf Samtpfoten gibt beim Besuch den Parktarif durch

Der nördlich des Violenbach gelegene, grössere Dorfteil, das „Dörfli“, gehörte vom 10. Jahrhundert an zur Grafschaft Rheinfelden (Fricktal) und damit später zu Vorderösterreich. Das Gebiet am südlichen Ufer des Baches, das „Ländli“, war seit dem Frühmittelalter Teil des Sisgaus und fiel 1461 an die Stadt Basel. Die österreichische Herrschaft dauerte nahezu 500 Jahre. 1801 fiel das Fricktal an Frankreich und wurde 1803 dem damals neu gegründeten Kanton Aargau zugeteilt. Noch heute trennt der Violenbach in dieser Gegend die Kantone Aargau und Baselland.

Das Zisterzienserinnenkloster Olsberg ist das älteste Frauenkloster des Ordens in der Schweiz. Die Gründung erfolgte kurz vor 1234. Danach durchlebte das Kloster eine wechselvolle Geschichte. Eine erste Blütezeit währte rund zwei Jahrhunderte. Durch Legate und Zukäufe wurde ein umfangreicher Streubesitz von Äckern und Rebbergen im heutigen Baselland, im Elsass und südbadischen Raum akkumuliert. In den Städten Rheinfelden und Basel besass das Kloster diverse Liegenschaften.

Olsperg-Hof Basel
ehemaliger Olsperg-Hof Basel

1427 brannte das Kloster nieder. Kirche und Kloster wurden zwar wieder aufgebaut, damit konnte der Niedergang des Klosters aber nicht mehr aufgehalten werden. Dass es für den Adel finanziell günstiger war, Töchter im Kloster unterzubringen als diese zu verheiraten, mag für den Verfall der Sitten eine Rolle gespielt haben. Im Verlauf der Reformation verliessen die meisten Nonnen das Kloster. Im Bauernaufstand von 1525 wurde die Anlage überfallen und geplündert und blieb bis 1558 verwaist. Die Geschäfte wurden durch einen Schaffner des Mutterklosters St. Urban übernommen.
Mit Katharina von Hersberg beauftragte die vorderösterreichische Regierung eine junge Äbtissin, die Frauenzisterze innen und aussen zu reformieren. Aussen wurde viel erbaut und erneuert. Im Innern änderte sich wenig. Dafür war die Dame kulinarischen Genüssen allzusehr verfallen.

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Ritterhaus

Im 30-jährigen Krieg wurde das Kloster zweimal überfallen und verwüstet. Danach erfolgten tiefgreifende Um- und Neubauten an der Klosteranlage. Ab 1670 bis 1757 erhielt die Klosteranlage das heutige barocke Erscheinungsbild. Die Prachtentfaltung nach aussen vermochte die innere Krise nicht zu überdecken. Die Lage hart an der Staatsgrenze zur Eidgenossenschaft führte häufig zu Schwierigkeiten, lag doch die wirtschaftliche Grundlage des Klosters zur Hauptsache ennet dem Violenbach in der alten Eidgenossenschaft.

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Stolz wie ein spanischer Habsburger

Die weltliche Aufsicht oblag den Habsburgern bis ins Jahr 1803. Die Zisterzienser-Abtei in Lützel hatte bis 1748 die kirchliche Aufsicht inne, musste diese Aufgabe später an andere Zisterzienserklöster abgeben. Schliesslich führten innerklösterliche Querelen und Streitereien zur Aufhebung des Klosters. Der österreichische Kaiser Leopold II. wandelte 1790 das Kloster Olsberg in ein weltliches, adeliges Damenstift um. 1802/3 wurde das Kloster säkularisiert, die Nonnen pensioniert und die Stiftsgüter durch den neu entstandenen Kanton Aargau zum Staatsbesitz erklärt.

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Das Institut für adelige Töchter wurde 1835 geschlossen. Der Kanton verlangte die Aufnahme von Schülerinnen ohne Ansehen ihrer Herkunft, was das Institut finanziell überforderte. 1846 übernahm die Pestalozzistiftung die Klosterräume und führte eine „Zöglingsanstalt“ für verwahrloste und verwaiste Knaben, die 1860 vom Kanton übernommen wurde. Inzwischen ist daraus ein modernes Erziehungsheim für lernschwahe Kinder geworden. Die gesamte Anlage wurde durch den Kanton Aargau zwischen 1972 und 1995 umfassend renoviert.

Und zum Schluss ein Sonntags-Zückerchen: Alljährlich findet auf Initiative der bekannten Cellistin Sol Gambetta (die in Olsberg ihren Wohnsitz hat) in der Klosterkirche Olsberg ein Kammermusikfestival (SOLsberg-festival) statt. Hieraus ein sehenswerter Ausschnitt über die Variationen von „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ aus Mozarts Zauberflöte, von L. v. Beethoven.

Quellen:

Schweizersagen aus dem Aargau, Rochholz, Verlag Sauerländer, 1860
Gemeinde Olsberg
Kloster Olsberg

13 thoughts on “CH-4305 Olsberg: Hortus Dei”

  1. Da hat sich Sol Gabetta aber ein hübsches Fleckchen ausgesucht, ich denke, sie muss nicht im Frauenkloster leben. Das Video ist bezaubernd. Vielen Dank für diese Überraschung.

  2. Das ist auch aus der hansischen Geschichte bekannt, dass die reichen Kaufleute ihre überzähligen Töchter gerne in die innerstädtischen Klöster gaben. Da die Konvente der Benediktiner und Franziskaner nicht fern lagen, beschränkte sich der säkulare Anteil am Leben der Ordensfrauen nicht nur auf die gemeinsame Küchenarbeit😉

  3. Immer wieder stelle ich fest, wie schön Hendln sind! Dein Gockel ist ja auch ein solches Prachtexemplar. Und danke für die schöne Musik.🙂

  4. Was ist denn ein „weltliches adeliges Damenstift“? Und wie werden Nonnen pensioniert? Aha, sie ziehen normale Kleidung an und heiraten einen guten Mann, wobei die Rente eine freie Wahl ermoeglichen sollte🙂 Amuesant wiederum, und interessant wie immer.

    Erstaunlich ist, wie in der damals neuen Germanen-Zeit die christliche Religion bereits Fuss fassen konnte. Das roemische Reich ist nicht einafch weggewischt worden. Wotan, Donar, Ziu, oder wie man sie schreiben will, wurden rasch durch die vielen Heiligen ersetzt, nebst der goettlchen Dreieinigkeit.
    Fuwer mich war das Zueckerchen die heutige Nutzung der Liegenschaft als Heim fuer lernschwahe Kinder.

    1. In Damenstifte hat man u.a. vermögende, ledige oder verwitwete „Frauenzimmer“ von Adel gesteckt. Weltlich, weil die Sache kommerziell rentieren musste. Einziger Unterschied zu Klöstern war der, dass dort zusätzlich noch dem Gebet gefrönt wurde.

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