Schloss_Kasteln_1860

CH-5108 Oberflachs: Schloss Kasteln und seine Therapieziegen

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Schloss Kasteln liegt im Schenkenbergertal im Kanton Aargau, am südlichen Rand des Juras, oberhalb von Schinznach. Umgeben von Weinbergen und Wald. Die um das Jahr 1200 auf einem Felssporn erbaute Burg war zunächst Sitz der Schenken von Kasteln, Dienstherren der Kyburger. Nach dem Aussterben der Kyburger im Jahr 1264 fiel das Gebiet um Oberflachs an die Habsburger. Die Habsburger beauftragten die Schenkenberger, auf einem im obern Teil des Tales gelegenen Höhenzug eine weitere Burg (Burg Schenkenberg) zu bauen, um damit ihre Kerngebiete um Schloss Habsburg und die Stadt Brugg abzusichern. 1311 starben die Schenken von Kasteln aus.

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Burg Kasteln wurde durch die Herren von Mülinen aus dem damals habsburgischen Brugg erworben. Die kleine Herrschaft umfasste die niedere Gerichtsbarkeit in Oberflachs und Schinznach-Dorf.

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Ausblick von der Schlossterrasse nach Oberflachs und Schinznach

1415 wurde der Aargau durch die Eidgenossen erobert und zwischen Bern, Zürich und Luzern aufgeteilt. Das Gebiet links der Aare, darunter auch das Schenkenbergertal, blieb jedoch vorerst unangetastet. Wegen andauernden Streitigkeiten mit der inzwischen bernisch gewordenen Stadt Brugg besetzten die Berner 1460 auch den Landstrich links der Aare. Im obern Teil des Tales wurde die Berner Landvogtei Schenkenberg eingerichtet, welche u.a. die strategisch wichtigen Ämter am Bözberg- und Staffeleggpass umfasste. Burg Schenkenberg war Sitz des Landvogtes. Durch Verachlässigung des Unterhaltes verfiel die Burg im Lauf der Jahrhunderte und der Rat der Stadt Bern beschloss 1720, sie aufzugeben. Der Landvogt musste ins nahe gelegene Schloss Wildenstein bei Veltheim umziehen. Bericht demnächst.
Im untern Teil des Tales blieb die Herrschaft Kastelen bis 1631 im Besitz der Familie von Mülinen. Danach wurde sie vom Berner Patrizier und General  Johann Ludwig von Erlach erworben. Als Söldnerführer in schwedisch-weimarischem, später französischem Dienst erwarb sich dieser ein erkleckliches Vermögen.

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In den Jahren ab 1642 wurde die Burg unter Johann Ludwig von Erlach zu einem repräsentativen Barockschloss umgestaltet. Der Umbau kam viel teurer als geplant und zog sich bis zu seinem Ableben, 1650, hin.

Die Nachfahren Erlachs verkauften Schloss Kastelen 1732 für 90’000 Taler an Bern. Bern schuf daraus eine weitere Landvogtei, indem es die Niedergerichte der Herrschaften Auenstein und Villnachern sowie die bisher zu Schenkenberg gehörende hohe Gerichtsbarkeit an diesen Orten zur Herrschaft Kastelen schlug.

Nach dem Untergang des Ancien Régime gelangte die bernische Staatsdomäne 1803 in den Besitz des neu gegründeten Kantons Aargau, der es 1836 an Private verkaufte. 1855 wurde darin eine „Rettungsanstalt für verwaiste und verwahrloste Zöglinge“ reformierter Konfession eröffnet. 1907 steckte einer der Zöglinge das Schloss und die benachbarte Scheune in Brand. Beide Gebäude erlitten schwere Schäden, und mussten wieder aufgebaut werden; erst 1909 wurde der Anstaltsbetrieb in Kasteln wieder aufgenommen. Die ehemals reiche Innenausstattung des Schlosses war jedoch verloren.

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Therapie-Geissli

Das Schloss wurde 1955 in ein Schulheim für verhaltensauffällige Schüler umgewandelt.  Das gesamte Schloss wurde 2009 innen und aussen umfassend renoviert und den heutigen Bedürfnissen der Sozialpädagogik angepasst. Der zugehörige, verpachtete Bio-Landwirtschaftsbetrieb liefert Fleisch und Gemüse und  u.a. die für den Lehrbetrieb benötigten Ziegen. Das Schlosscafé ist leider nicht öffentlich.

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Der Gutsbetrieb

Mehr über das Schloss und den Hackbraten des Schulheimkochs sowie die Burger-Focaccia des kochenden Tausendsassa Ivo Adam erfährt man, neben unvermeidlicher Reklame für den Sponsor des Filmchens, unter diesem link.

Quellen
wiki: Schloss Kasteln
wiki: Ruine Schenkenberg
Schulheim Kasteln

12 thoughts on “CH-5108 Oberflachs: Schloss Kasteln und seine Therapieziegen”

  1. So ‚verwahrlost‘ sieht die Jungziege ja nicht aus …
    Und wenn das Schlosscafé nicht öffentlich ist, ist denn der mitnehmbare Wein empfehlenswert?

    Einen schönen Sonntag!

  2. Wiederum interessant und schoen zu lesen. Danke. Nett bezeichnet der Kanton Aargau die „verhaltensauffälligen“ Schüler. Wenn es nur dies bedeutet, dann waere ich wohl auch in ein solches Heim abgeschoben worden.

    1. Die Sprache der Sozialarbeiter hat sich in den letzten Jahren von der Umgangssprache weit entfernt und wirkt immer abgehobener. Ich nenne das „Lehrersyndrom“. Wer sich täglich fast ausschliesslich mit mehr oder minder begabten Schülern abgeben muss, verändert sich ganz langsam.

  3. Die „verhaltensauffälligen Zöglinge“ sollen wohl allein im Schloßcafe sich vergnügen, ist aber schwer zu verstehen. Hoffentlich habt Ihr noch einen netten Ersatz gefunden. Schönen Sonntag!

    1. Das sind wohl eher die Lehrer und Sozialarbeiter, die des Kaffees bedürfen. In Schinzach haben wir ein Kaffee gefunden mit „Mohrenköpfen“ (noch so ein Unwort) aus der Konditorei.

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