CH-6218 Ettiswil

CH-6218 Ettiswil: Schloss Wyher

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Das Wasserschloss Wyher liegt im Luzerner Hinterland südlich des Dorfkerns von Ettiswil. Es wurde 1304 erstmals als Sitz der Freiherren von Wediswil (Willisau) urkundlich erwähnt. Nach mehreren Handwechseln wurde das „Haus zem Wyger“ 1480 an den Luzerner Schultheiss Hans Feer (1418–1484) veräussert. Dessen Sohn, Petermann Feer führte übrigens 1499 den 800 Mann starken Luzerner Harst in die Schlacht bei Dornach gegen den Schwäbischen Bund.

Petermann Feer errichtete 1510 den Hauptbau mit einer Grundfläche von 13 mal 14 Metern. Seine Nachfahren ergänzten Mitte 16. Jahrhundert den 34 Meter langen  Ökonomietrakt mit einer Laube zum Hauptgebäude hin, das sogenannte „Klösterli“.

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Klösterli mit Hochzeitsgesellschaft

Ritter Beat Jakob Feer (1540–1598) war der letzte Besitzer aus der Familie Feer. Seine fünf Kinder verstarben alle früh, so verkaufte er Schloss und Hof 1588 seinem Schwager Ritter Ludwig Pfyffer von Luzern.

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südliche Umfassungsmauer und Haupthaus

Ludwig Pfyffer liess im ersten Stock des Herrenhauses das Prunkzimmer einbauen. Er schloss die Lücke zwischen Klösterli und Herrenhaus und ergänzte die Umfassungsmauer sowie die zwei Rundtürmchen auf der Südostseite. Die Zufahrt erfolgte von Westen her über eine dreijochige Steinbrücke.

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Klösterliseite von Aussen

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Sitz innerhalb der Familien Pfyffer-Wyher und Pfyffer-Altishofen hin- und her vererbt. Die Gattin eines der zeitweiligen Besitzer, der andauernden Abwesenheit ihres Gemahls -eines Generalleutnants in französischen Diensten-  überdrüssig, nutzte dessen Abwesenheit für umfangreiche Umbauten. Sie liess die Dachformen verändern, veränderte im Herrenhaus die Raumeinteilung und richtete den zweiten Stock im Louis XVI-Stil ein. Die Steinbrücke wurde mit Erde überschüttet, um einen breiteren Fahrweg zu erhalten. Um das Schloss wurden tiefe Gräben ausgehoben.

1837 wurde das Schloss samt Umland an eine Bauernfamilie verkauft. Die hatten kein Geld für den Schlossunterhalt, legten zur Landgewinnung bald darauf die Schlossweiher trocken. Das beeinträchtigte die Stabilität der Umfassungsmauern, Teile der Mauer brachen ein und mussten mit zweien der Ecktürme abgetragen werden. Das Schloss vergammelte zuhends. Im zweiten Weltkrieg wurden Flüchtlinge, später arme Familien einquartiert. Wertvolles Inventar wurde veräussert.

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Treppenhaus im Hauptbau

1961 wurde das Schloss zum Verkauf ausgeschrieben. Im Juli 1963 unter Denkmalschutz gestellt. Am 26. Juli 1963 brannten die oberen Stockwerke des Haupthauses ab. Im folgenden September wurde ein Kaufrechtsvertrag zwischen dem Kanton Luzern und der bäuerlichen Erbengemeinschaft abgeschlossen.

Ein 1964 gegründetes Initiativkomitee setzte sich zum Ziel, das Äussere der Schlossanlage wiederherzustellen. Das Initiativkomitee rettete und erwarb Teile der früher verkauften Inneneinrichtung, beispielsweise Böden, Täfer, Decken, Gitter, Öfen, Säulen oder Sandsteinfassungen.

1970 wurde vom Luzerner Grossen Rat die Schaffung einer mit 100’000 Franken ausgestatteten Stiftung Schloss Wyher genehmigt, die für Einrichtung, Betrieb und Unterhalt des Schlosses sorgen sollte. Die Wiederherstellung verlief, mangels Mittel, schleppend. 1973 wäre es dem zwielichtigen österreichischen Unternehmer Udo Proksch (der später als Drahtzieher des Falls Lucona 1992 wegen sechsfachen Mordes verurteilt wurde) beinahe gelungen, das Schloss im Baurechtsvertrag auf 100 Jahre zu übernehmen.

1976 wurden die Aussenmauern des Schlosses saniert und das Herrenhaus mit einem Dach versehen. 1981 bis 1983 wurde das Klösterli für Ausstellungen hergerichtet und die Umfassungsmauer mit den vier Türmchen wiederhergestellt.

In den achziger Jahren wurde ein Gönnerverein gegründet, der weitere Mittel für Renovationen und den Rückkauf der Pfyfferstube beschaffte. Seit 1996 ist der Gönnerverein Pächter der Schlossanlage und damit für den Betrieb verantwortlich. Nach wenig erfolgreichen Bemühungen hat sich das Schloss als beliebtes Hochzeits- und Tagungsschloss etabliert. Auf Voranmeldung kann man es besichtigen. Oder man macht es wie ich: man mischt sich als Hochzeitsgast mit Fotoapparat unter die Gäste. Nein, den vom Personal offerierten Sekt habe ich abgelehnt.

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Quellen:
wiki: Schloss Wyher
Wasserschloss Wyher

13 thoughts on “CH-6218 Ettiswil: Schloss Wyher”

  1. Ihr seid in eurem Land mit Schlössern und schönen Gebäuden reich gesegnet!
    Das heute gezeigte ist auch wieder – für mich – ein besonders hübsches Exemplar.

    Du bist schon ein ganz schlauer Fuchs = man mischt sich als Hochzeitsgast mit Fotoapparat unter die Gäste.‘🙂

    Habt einen schönen Sonntag! Liebe Grüße Eva

    1. Ich hab schon von welchen gehört, die das ganz profihaft machen. Jeder vermutet, dass die zur Verwandschaft der „andern Seite“ gehören, Entdeckt wird sowas meist erst beim Anschauen der Fotos: „wer ist denn das?“

  2. Der Schluss des Berichts erheiterte mich, der ich das Glas wohl angenommen haette. Diese Gegend der Schweiz kenne ich nicht, Willisauer-Ringli sind mir jedoch bekannt, wie vermutlich allen SchweizerInnen.
    Es ist erstaunlich, dass eine noble Familie ihren Herrschaftssitz an einen Bauern der Nachbarschaft verkauft, oder verkaufen muss, und danach Kulturgut derart vernachlaessigt wird. Schoen, dass vieles wieder beschafft werden konnte und das Schloss unterhalten und genutzt wird.

  3. Danggscheen fir di (wiiderum) interessante Post. Han‘ i nit kennt.
    P.S. Verständlig, jetzt wo Craft-Beer aagsait isch 😉

    1. Dafür hat man in vergangenen Jahrhunderten die Herrenzimmer geschaffen. Hier war den Frauen der Zutritt untersagt. Nur die Putzfrau durfte mit Genehmigung des Hausherrn in das Heiligtum.

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