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CH-4058 Basel: Rosental

CH-4058 Basel

Da wir derzeit kaum mehr ausreisen können, habe ich mich in einem Quartier ausserhalb des Altstadtkerns vor der Haustüre umgesehen. Dieser Stadtteil ist nach dem früheren Landgut „zum Rosental“ benannt. Warum ich moderne Architektur in den Besuchsberichten in meinem Blog meist ausblende und konsequent nur Bauten aus vergangenen Jahrhunderten zeige, hat seine Gründe: Früher wurden Gebäude von Baumeistern mit Sinn für schöne Proportionen erbaut. Was in den vergangenen Jahrzehnten von studierten, aber phantasielosen Architekten erbaut (hingeklotzt) wurde, davon zeugen heute in jeder europäischen Stadt unzählige banale, ja trostlose Bauten, die, kaum erstellt, besser gleich wieder abgerissen würden. Wo Kreativität und Phantasie fehlen, helfen auch modische Dekorationen nicht. Schrott bleibt Schrott. Aber lassen wir das, heute ist Sonntag. Dass es auch anders geht, zeigen wenige, in den Besuchsbericht eingestreute Beispiele guter, moderner Architektur, die auch in zwanzig oder 100 Jahren noch gut und sehenswert sein werden.

Die ersten beiden Bilder stammen von dem an sich hässlichen Autoparking der Deutschen Bundesbahn beim Badischen Bahnhof. Stahlträger, Betonplatten, Parkplätze.  Der vertikale Anstrich eines Malermeisters aus geschätzten 100 unterschiedlichen Farbkübeln erhebt den trostlosen Renditebau zur Sehenswürdigkeit.

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Der blaue Messeturm ist nach meinem Empfinden schön geraten, klar, geradlinig, eine senkrechte Wegmarke Richtung Frankfurt.

Nebenan der neue Kopfbau der Mustermesse Basel mit dem Loch im Dach. Hier möchte man sich auf die Tramgeleise legen und gespannt dem Treiben der Wolken zusehen. Führen da nicht andauernd Strassenbahnen durch.

CH-4058 Basel

Schade nur, dass das witzig-gewellte Dach der vertikalen Linie des Messeturms quer im Wege steht.

Anschliessend habe ich mich im neuen Erlenmattquartier umgesehen. Hier wird auch gebaut. Mehr gibts dazu nicht zu sagen.

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Nichts wie weg hier. Erholung bietet ein Landsitz vor den Toren Kleinbasels, die Sandgrube. Ein wunderschöner Barockbau, erbaut für einen Seidenbandfabrikanten um die 1751.

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Der Platz vor dem Hauptportal dient sonst den Lehrern als Gratis-Autabstellplatz

1931 kaufte die Stadt Basel das Anwesen und benutzt es seither als Lehrerseminar.

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Sandgrube: die örtlich versetzte und rekonstruierte Orangerie

Frisch erholt habe ich mir noch den neuen Rocheturm (187m) im Wettsteinquartier nebenan angesehen.

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Drei Baustile hintereinander: vorne das gediegene, schöne, alte Verwaltungsgebäude der Hoffmann-La Roche AG aus dem Jahre 1936 (Architekt: Otto R. Salvisberg). Dahinter  zwei zeitgeistige Bürosilos. Das hohe von Herzog&DeMeuron.
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Weiter an den Rhein, Mehrfamilienhäuser einer neuen Überbauung, deren dunkle Holzoberflächen den Loggien angeblich “eine taktile Sinnlichkeit” vermitteln sollen. Die Sinnlichkeit scheint mir eher vom farbigen Plastikgestühle zu kommen. Rechts das einfache Haus eines Baumeisters aus dem Jahre 1347, ganz ohne visuelle und taktile Reize.

Lebensqualität in der Rheingasse.

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oder am Rheinweg. Womit wir wieder in der Altstadt angelangt sind.

“Schön ist es auch anderswo, Und hier bin ich sowieso” (W. Busch, Plisch und Plum). Bloss nicht stolpern !

Basel Tattoo 2015 Parade

Basel Tattoo 2015 Parade
Heuer die Jubiläumsausgabe. 10 Jahre Tattoo Basel. Was doch ein einzelner Mensch (mit Hilfe vieler) auf die Beine stellen kann. Am samstäglichen Umzug haben sich wieder weit über 100’000 Menschen gefreut…. Oben in Silber und Gold: Die Blechbehutete Band of Her Majesty’s Household Cavalry.

Bei schönem, windigen Wetter flatterten die Fahnen gar fröhlich.

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Basler Polizeimusik

Damen im Schottenrock und mit Dudelsack erfreuen das Auge ungleich mehr als bärtige Herren mit Bierbäuchen.

Während die etwas weniger jungen Trachtenmädchen in der Basler Werktagstracht dem starken Wind wehren mussten…

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schafften es die jüngeren Piccolo-Pfeiferinnen dank angepasster Technik locker ohne Hutverlust über die Brücke…

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Sonst viel Operette im Stil von Franz Léhar: “Sie lassen mich vergessen, Das teu’re Vaterland!”.  Hier die Blue Devils International Marching Band aus Concord, MA.

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Die Tanzgruppe der Republic of Korea Air Force Band mit einem militärischen Ausdruckstanz. Die bauchfreie Vorführung der Damen gilt vermutlich als taktische Massnahme zur Verwirrung des Gegners. Ohne Wirkung, ich schaute mir nur den Schattenwurf an.

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Kein Tattoo ohne die Freunde zeitgenössischer Waffentechnik. Pz.Abw.Rak Rohre älterer…

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und neuerer Bauart werden gerne vorgeführt. Gut, an der grossen Moskauer Militärparade vom vergangenen Mai sah das alles beeindruckender aus, aber Basel ist nicht Moskau.

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Sogar die ehrwürdigen Saurer Lastkraftwagen, Typ “Gemüsewagen” werden instand gehalten und gepflegt. Vor über 50 Jahren musste ich als “Gemüse” hinten aufsitzen.

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Das Militär ist bis in die Neuzeit präsent. Dass auf meinen Fotos die Pferde nur von hinten zu sehen sind, hat mit dem Gegenlicht zu tun.

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Irgendwie hatte ich mir das Leibregiment der englischen Königin anders vorgestellt. Hoch zu Ross. Offenbar muss auch England sparen.

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Mein Highlight des Tages waren jedoch die Italiener. Die Fanfara 8° des Regimento Bersaglieri bläst ihren flik flok im Laufschritt. Galopp ohne Pferd mit wehendem Federbusch und Pausen zum Verschnaufen.

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Die New Zealand Army Band erschreckte allfällige Feinde mit viel Trara und martialischem Gebrüll.

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Die berittenen Solothurner mit den gehäkelten, Ohren und Fliegen schonenden Zottelkäppli. Sollte ich mir am heutigen Nationalfeiertag auch mal aufs Haupt setzen.

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Bier vom ortsüblichen Sechsspänner…

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Rythmisches Kuhglockengeläute der Treichler aus Märstetten…

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Das gutgelaunte Publikum samt Fotograf im weissen T-shirt…

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das Top Secret Drum Corps und viel andere Musikgruppen gehörten zum friedlichen Teil des 2-Stunden dauernden Umzuges. Die Auswahl der Fotos erfolgte einmal mehr völlig willkürlich und wird der Vielfalt des Umzugs nicht gerecht. Nun wird es ist aber Zeit, ein Feuerchen zu entfachen für die Nationalfeiertagsbratwurst: den Cervelat.

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CH-4215 Riehen: Wenkenhof

CH-4125 Riehen: Wenkenhof

Bei Aussentemperaturen über 35°C bleiben wir zuhause. Keine Ausreise. Kein Reisebericht. Essen und PC bleiben kalt. Um meine Sonntags-Leser nicht zu enttäuschen, bin ich dennoch mit dem ÖV nach Riehen gefahren. Vor den Wenkenhof: Zwei feudale, herrschaftliche Villen inmitten einer grossen Parklandschaft.

Der Wenkenhof entstand als alemannische Gründung in karolingischer Zeit. Ursprünglich im Besitz des Klosters St. Gallen, gelangte er erst an das Kloster St. Blasien, später durch Abtausch an das Kloster Wettingen, schliesslich an den Bischof von Basel. Der Bischof, immer in Geldnöten, verkaufte Gutshof und das Dorf Riehen 1522 an die Stadt Basel.  Danach ging der Gutshof in privaten Besitz über.

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Teile des alten Wenkenhofs

1735 erwarb der damalige Besitzer das dem alten Wenkenhof vorgelagerte Gelände und liess sich dort eine eingeschossige barocke Villa (den neuen Wenkenhof) als Sommersitz errichten. Architektonisches Vorbild war das Lustschloss Grand-Trianon im Park von Versailles. Die Villa diente lediglich der Repräsentation, Küche und Schlafstuben gabs keine, Essen für Empfänge musste aus dem Alten Wenken herbeigetragen werden.

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Neuer Wenkenhof: Regenwasser, im gekrönten Wasserspeier geadelt

Zu einem barocken Lustschloss gehört auch ein barocker Lustpark. Auch der wurde geschaffen. Irgendwann war aber die barocke Herrlichkeit vorbei. 1801 liess Jakob Bischoff-Merian den Park nach englischem Vorbild umgestalten.

CH-4125 Riehen: Wenkenhof
Wenkenpark, englischer Landschaftspark

1860 wurde die Villa aufgestockt und zum Wohnhaus im Empire-Stil umgestaltet. 1918-1921 wurden die Empire-Ergänzungen  vom neuen Besitzer, einem Nachfahren des Farbstoffindustriellen Alexander Clavel, wieder rückgängig gemacht und in Neobarock verwandelt. An der Zufahrt zum Ehrenhof wurden zwei grosse Hirschfiguren aus vergoldetem Bleiguss angebracht. Der englische Landschaftspark wurde erweitert.

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Der neue Wenken von der Barockgartenseite

1932 erhielt die Einwohnergemeinde der Stadt Basel von Clavel den alten Wenkenhof als Geschenk. 1954 wurde der Neue Wenkenhof an die Alexander-Clavel-Stiftung übertragen. Der französische Barockgarten ist an mehreren Sonntagen im Jahr öffentlich zugänglich. Im ehemaligen Gemüsegarten (potager) betreibt pro specie rara einen Schaugarten für Staudenpflanzen. Das Erdgeschoss der Villa wird für gesellschaftliche Anlässe vermietet. Der Landschaftspark ist heute im Besitz der Gemeinde Riehen und öffentlich zugänglich.

Da es auch im Schatten der Bäume recht heiss war, zog ich es vor, meine Kunststudien in Sachen Barock auf kühlere Zeiten zu verschieben.

CH-4125 Riehen: Wenkenhof
Barock von hinten

Reiste wieder nach Hause und widmete mich dem Einmachen meiner Gewürzgurken. Weiter gehts hier spätestens, wenn die Sauregurkenzeit vorüber ist.Saure Gurken

NB: Falls Benutzer des Safari-Browsers einzelne Bilder nicht sehen, möge man mir das doch bitte in einem kurzen Kommentar oder per email melden. Danke.

Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz: Riehen
wiki: Wenkenhof

CH-3942 Raron: I was here

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Maxenhaus und Burgerhaus

Das dringliche Bedürfnis mancher Menschen, dem Ziel ihrer Reise ihren persönlichen Stempel aufzudrücken, ist mir unerklärlich. Ruinen, Denkmäler, selbst Grabstellen werden mit Gravuren, Kritzeleien und Schmierereien geschändet. Dazu gehören auch ERinnerungstafeln.

Egal was man uns Nachfolgenden kündet, ob “I was here 2001”, “Helmut ♥ Gaby foreva”  oder “Goethe rastete hier am 22. Nov. 1801”; der Inhalt ist derselbe: sich auf die Geschichte oben drauf setzen. Wer später hinzukommt, muss die Botschaft über sich ergehen lassen.

Da macht Raron keine Ausnahme. Dem gewichtigen Besucher entsprechend in Bronze gegossen, vom löblichen Gemeinderat in Auftrag gegeben und bezahlt: Der tiefe Dank an Herrn Bundeskanzler H. Kohl, dass er im April 1989 die Grabstätte R.M. Rilkes auf dem Burghügel besucht habe.
CH-3942 Raron

Machen wirs kurz: ich war auch da. Hab mir mit Frau L. vor ein paar Wochen den Ort angesehen. Den steilen Burghügel musste ich alleine erklimmen. Dann tranken wir Kaffee und sind wieder gegangen. Ohne Spuren zu hinterlassen.

Raron, ein sehenswerter Ort, hübsch herausgeputzt. Der alte Dorfkern mit ein paar alten, herrschaftlichen Häusern, bescheidene bäuerliche Holzhäuser und Gaden, daneben viele neue Wohnbauten, die von Wohlstand künden. Chemie und Aluminium sei Dank.

Das auffälligste Haus liess sich Mitte des 16. Jahrhunderts ein Landvogt mit Namen Stefan Maxen im Unterdorf bauen. Die Arkade im Untergeschoss wurde durch frühere Überschwemmungen des Bietschbaches teilweise zugeschottert.

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Haus des Stefan Maxen
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Hölzerne Gaden im Dorfkern
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Häuser am Stalden, der weisse Treppengiebel gehört zum Zentriegenhaus

 

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Einfamilienhaus in Beton. Kirche in Mauerwerk

Raron gehörte seit der Zeit des Königreichs Hochburgund den Bischöfen von Sitten. Auf deren Veranlassung wurde vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert eine Wehranlage hoch auf dem Felsen über dem Dorf errichtet.

Aus dem 12. Jahrhundert stammt das Viztumsschloss, ein quadratischer Wohnturm und späteres Zendenrathaus. Der Begriff Viztum geht auf das lateinische Vicedominus zurück, den Stellvertreter des Bischofs. Seit dem frühen 13. Jahrhundert waren die Herren von Raron Inhaber des Amtes und beherrschten bis 1419 die Geschicke der Gegend.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts erfolgte der Bau eines annähernd quadratischen Palas als Amtssitz des bischöflichen Meiers. Der Meier, ursprünglich ein dem Viztum unterstellter Steuereintreiber, erlangte zunehmend Machtbefugnisse und wurde zum wichtigsten Vertreter der weltlichen Gewalt des Bischofs.

Nachdem die Dorfkirche im 15. Jahrhundert durch Murgänge und Überschwemmungen des Dorfbaches nahezu vollständig zerstört wurde, baute man die neue Kirche 1512 – 1518 auf den Burghügel um den Palas herum und nutzte ihn als Kirchenschiff.

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Der Viztumsturm

Im Innern der Kirche erfreut das Auge des Besuchers ein schauerlich-schönes Fresko aus dem Jahre 1612 mit der Darstellung des Jüngsten Gerichtes, das bei Renovationen 1923 wieder entdeckt wurde. Links die Guten, wohl behütet von Engeln, oben der Himmel mit vielen, eher gelangweilten Statisten. Bedeutend kurzweiliger geht es in der Hölle (rechts im Bild) zu. Ungeheuer mit Drachenköpfen zwicken Menschenleiber mit glühenden Zangen. Geschwänzte Teufel helfen mit Brandfackeln nach. Selbst Bischöfe sind von der Fahrt zur Hölle nicht ausgenommen. Immerhin brauchen sie keinen Fussmarsch auf sich zu nehmen. Naive Schau- und Schadenfreude.

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Fresko Das Jüngste Gericht
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Die dicken Mauern des ehemaligen Palas geben tiefe Fensterlaibungen

Ja und dann draussen, neben der Erinnerungsplatte an den Bundeskanzler, bescheiden an die Kirchenwand gesetzt, das Grab des Dichters J.M. Rilke. Der alte Rosenstock hatte bei unserm Besuch noch nicht ausgetrieben.

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Mit den Jahren wurde den Einwohnern der beschwerliche Aufstieg zur Burgkirche zuviel. 1971-1974 wurde in den Burgfelsen ein 6000 m3 grosses Loch gesprengt und darin eine Felsenkirche für rund 500 Besucher eingebaut.

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Oben die Burgkirche, unten der Eingang zur Felsenkirche

Diesmal hat es für die Rarner Eglifilets nicht mehr gereicht. Ein Grund mehr, wieder zu kommen.

Quellen:

Historisches Lexikon der Schweiz: Raron
Raron Sehenswürdgkeiten

CH-4922 Thunstetten: Schloss

CH-4922 Thunstetten

Versailles im Oberaargau. Das schön gelegene Landschlösschen Thunstetten wurde 1713 bis 1715 nach Plänen eines Pariser Architekten für den steinreichen Patrizier Hieronymus von Erlach erbaut. Das Schloss besteht aus dem Hauptbau und zwei südseits anschliessenden Flügeltrakten, die mit dem Toreingang einen Hof umschliessen. Auf der Hinterseite des Schlosses liegt die symmetrisch angelegte Gartenanlage.

Der 1667 geborene von Erlach trat als junger Mann in die Dienste der Schweizergarde in Frankreich, avancierte zum Hauptmann und heiratete 1694 eine Französin aus niederem Adel nach katholischem Ritus. Dazu schwor er dem evangelischen Glauben ab.

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Der Hauptbau, das corps de logis

Ein Jahr später verliess er Frau und Kind, die gegen Unterhaltszahlungen Schweigen gelobte. Er kehrte nach Bern zurück und heiratete dort eine reich begüterte Patrizierin. Diesmal wieder protestantisch. Ohne sich vorher scheiden zu lassen.

Bei Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges 1701 trat er in österreichische Dienste und befehligte als Oberst ein Regiment der Stadt Bern. Nun wollte die verlassene Frau mehr Geld von ihm und wandte sich an den französischen Botschafter. Von diesem unter Druck gesetzt, die bigamische Ehe öffentlich zu machen, willigte Hieronymus ein, Frankreich als “Beobachter” mit Informationen zu beliefern.

Hieronymus von Erlach
Hieronymus von Erlach (Bild: wiki)

Von 1702 bis 1714 diente er den Habsburgern in der kaiserlichen Armee am Oberrhein. Sein Doppelleben als Wolf im Schafspelz, der die Franzosen über die Planungen der kaiserlichen Armee informierte, blieb zu seinen Lebzeiten unentdeckt. 1704 wurde er zum österreichischen General, 1709 zum Feldmarschall befördert.

Er war eng befreundet mit dem habsburgischen Oberbefehlshaber der antifranzösischen Koalition, Prinz Eugen von Savoyen, und genoss die Gunst der österreichischen Kaiser. 1710 wurde er, trotz aufkeimender Verdachtsmomente, zum kaiserlichen Kammerherr, 1712 zum Reichsgrafen ernannt.

Opportunisten bringen es im Leben offensichtlich weit.

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Der „Cour d’entrée”, der durch Tor, Seitenflügel und Hauptbau gebildete Hof

Nach seinem Rücktritt als Oberst 1715 verfolgte er eine politische Karriere, u.a. war er 1721-1746 alternierend Schultheiss der Stadt Bern.

Die bescheidene Klause in Thunstetten wurde ihm bald zu klein. 1721-25 erbaute er ein grösseres Schloss, Hindelbank, und verkaufte Thunstetten. 1745, drei Jahre vor seinem Tod begann er in der Stadt Bern den Bau des prunkvollen Erlacherhofs.

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Gartenseite

Schloss Thunstetten wechselte mehrmals die Hand, bis es in den Besitz einer Langenthaler Arztfamilie kam, die es 1970 der „Stiftung Schloss Thunstetten” verkaufte. Wer will, kann das Schloss und seine Räumlichkeiten für Veranstaltungen mieten.

Quellen:
wiki:  Hieronymus von Erlach
Richard Feller, Geschichte Berns, Band III, 1955

CH-4438 Langenbruck: Kloster Schönthal

CH-4438 Langenbruck- Kloster Schönthal

Abseits der grossen Heerstrassen, versteckt in den Jurahügeln, liegt eine kleine, ehemalige Klosteranlage. Ein hübsches Kleinod in dem Seitental, das vom obern Hauensteinpass bei Langenbruck auf den Chilchzimmersattel (Bölchenpass) führt.

Im Jahre 1145 stifteten die Frohburger Grafen einer Benediktiner Mönchsgemeinschaft bewaldete Ländereien. Für den Bau der Anlage und um Platz für Weide- und Anbauflächen zu schaffen, wurde der Boden von Mönchen, Laienbrüdern -wohl vor allem von Knechten- urbar gemacht. Damit schuf sich der Konvent eine Lebensgrundlage. 1187 wurde die Klosterkirche eingeweiht. Bald darauf zog eine Gemeinschaft von Benediktinerinnen in einen getrennten Trakt der Gebäude ein. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts löste sich der Männerkonvent auf (über die Gründe schweigen die Quellen). Das Kloster verarmte jedenfalls nach kurzer Blütezeit.

CH-4438 Langenbruck- Kloster Schönthal

Mit dem Erlöschen des Geschlechts der Frohburger 1367 fiel das Aufsichtsrecht erst an den Bischof von Basel. Später übernahm die Stadt Basel Kastvogtei (samt Zehnten) und Schirmherrschaft über das Kloster. Das Kloster blühte noch einmal auf.

Die Belastung der Bauern mit grossen Zehnten, kleinen Zehnten, Zöllen, Zinsen und Frondienst zur Aufrechterhaltung der damaligen Feudalgesellschaft führte 1525 im süddeutschen und schweizerischen Raum zu lokalen Bauernaufständen. 1525 wurde das Kloster am Kirchweihtag durch Bauern aus der Umgebung geplündert und verwüstet. Der Durchbruch der Reformation in Basel im Frühjahr 1529 bedeutete das Ende des Konvents.

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Wie die anderen Basler Klöster gingen Kloster und Klostergut Schönthal in die Verwaltung des Basler Spitals über. Die Erträge des landwirtschaftlichen Betriebs dienten fortan der Armenfürsorge.
Nach der Reformation wurde die Kirche fast 500 Jahre lang als Ökonomiegebäude verwendet und diente u.a. als Ziegelbrennerei, Geräteraum und Holzschopf. Sogar ein Zwischenboden wurde eingezogen.

Nach der Basler Kantonstrennung kaufte 1836 die Familie Wackernagel (ein 1833 aus Deutschland vertriebener Germanistikprofessor aus Berlin) Kloster und Landgut als Sommersitz.

Seit 1967 steht das Kloster unter kantonalem Denkmalschutz. Das heruntergekommene, romanische Baudenkmal wurde durch einen Investor 1987-89 und 1999 renoviert und 2001 samt dem 100 ha grossen Landwirtschaftsgut in die private Stiftung «Sculpture at Schoenthal» überführt. Seither dient die Anlage für Kunstfreunde als kulturelle Begegnungsstätte mit wiederkehrenden Ausstellungen von Bildern und Skulpturen, die im Kloster, Hof und in der umliegenden Landschaft zu besichtigen sind. (3 Gastzimmer)

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Ob die Stiefel eine Skulptur an sich darstellen, oder nur die Begehung der Landschaft bei Regen ermöglichen ? Barfüssermönche leben hier jedenfalls keine.

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Mein Interesse galt jedoch nicht moderner Kunst, sondern der hochromanischen Westfassade der Klosterkirche. Das Quadermauerwerk fugenlos versetzt, eine schön verzierte Portalwandung, ein Relief mit dem kreuztragenden Lamm, dem von einem zähnefletschenden Löwen und einem Mann gestützten Bogen und den beidseitigen Tabernakeln.

Die Inschrift auf dem Bogen (neben dem Löwen) lautet: HIC EST ODO. Ich hätte eher HIC SUNT LEONES geschrieben.

CH-4438 Langenbruck- Kloster Schönthal (2015 03 19_7315)

Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz
wiki
Kloster Schönthal 1145

Fotos von verschiedenen Besuchen.

CH-8000 Zürich: einmal jährlich

CH-8000 Zürich

Jedes Frühjahr muss ich einmal nach Zürich. Früher mit, heute ohne Frau L. Eine Reise aus der beschaulichen Provinzstadt in die lärmige Grossstadt. Die drei Stunden Aufenthalt nutze ich zu einem Rundgang, immer darauf bedacht, dem hektischen Treiben auszuweichen.

Neues gibts nicht viel zu berichten. Baumaschinen auf dem Münsterplatz und anderswo. Neue Hochhäuser. Neuer Beton. Neue Quartiere. Eine neue Aussichtsplattform am See, welche die Aussicht auf diese Hässlichkeiten verdeckt. Ein wohltuender Ausblick in die Weite:
CH-8000 Zürich

St. Peter steht hingegen fest und unverändert am alten Platz:

Der alte Alfred Escher am Bahnhofsplatz hat seinen Ruhmeskranz immer noch nicht aufs Haupt gedrückt erhalten:

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Sonst viel junges, beruhigendes Grün auf Plätzen:

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und in stillen Winkeln:

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Schwarzenbachs Kolonialwarenladen, Wurst-Prétôt an der Kuttelgasse, Küchen-Sibler sowie der renovierte Lebensmittel-Globus sind jedesmal einen Besuch wert:

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Für die mehr oder weniger verlockenden Essensangebote der grossen Stadt blieb keine Zeit. Ich musste wieder nach Hause, kochen. Da weiss man, wie es schmeckt.

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