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CH-4215 Riehen: Wenkenhof

CH-4125 Riehen: Wenkenhof

Bei Aussentemperaturen über 35°C bleiben wir zuhause. Keine Ausreise. Kein Reisebericht. Essen und PC bleiben kalt. Um meine Sonntags-Leser nicht zu enttäuschen, bin ich dennoch mit dem ÖV nach Riehen gefahren. Vor den Wenkenhof: Zwei feudale, herrschaftliche Villen inmitten einer grossen Parklandschaft.

Der Wenkenhof entstand als alemannische Gründung in karolingischer Zeit. Ursprünglich im Besitz des Klosters St. Gallen, gelangte er erst an das Kloster St. Blasien, später durch Abtausch an das Kloster Wettingen, schliesslich an den Bischof von Basel. Der Bischof, immer in Geldnöten, verkaufte Gutshof und das Dorf Riehen 1522 an die Stadt Basel.  Danach ging der Gutshof in privaten Besitz über.

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Teile des alten Wenkenhofs

1735 erwarb der damalige Besitzer das dem alten Wenkenhof vorgelagerte Gelände und liess sich dort eine eingeschossige barocke Villa (den neuen Wenkenhof) als Sommersitz errichten. Architektonisches Vorbild war das Lustschloss Grand-Trianon im Park von Versailles. Die Villa diente lediglich der Repräsentation, Küche und Schlafstuben gabs keine, Essen für Empfänge musste aus dem Alten Wenken herbeigetragen werden.

CH-4125 Riehen: Wenkenhof
Neuer Wenkenhof: Regenwasser, im gekrönten Wasserspeier geadelt

Zu einem barocken Lustschloss gehört auch ein barocker Lustpark. Auch der wurde geschaffen. Irgendwann war aber die barocke Herrlichkeit vorbei. 1801 liess Jakob Bischoff-Merian den Park nach englischem Vorbild umgestalten.

CH-4125 Riehen: Wenkenhof
Wenkenpark, englischer Landschaftspark

1860 wurde die Villa aufgestockt und zum Wohnhaus im Empire-Stil umgestaltet. 1918-1921 wurden die Empire-Ergänzungen  vom neuen Besitzer, einem Nachfahren des Farbstoffindustriellen Alexander Clavel, wieder rückgängig gemacht und in Neobarock verwandelt. An der Zufahrt zum Ehrenhof wurden zwei grosse Hirschfiguren aus vergoldetem Bleiguss angebracht. Der englische Landschaftspark wurde erweitert.

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Der neue Wenken von der Barockgartenseite

1932 erhielt die Einwohnergemeinde der Stadt Basel von Clavel den alten Wenkenhof als Geschenk. 1954 wurde der Neue Wenkenhof an die Alexander-Clavel-Stiftung übertragen. Der französische Barockgarten ist an mehreren Sonntagen im Jahr öffentlich zugänglich. Im ehemaligen Gemüsegarten (potager) betreibt pro specie rara einen Schaugarten für Staudenpflanzen. Das Erdgeschoss der Villa wird für gesellschaftliche Anlässe vermietet. Der Landschaftspark ist heute im Besitz der Gemeinde Riehen und öffentlich zugänglich.

Da es auch im Schatten der Bäume recht heiss war, zog ich es vor, meine Kunststudien in Sachen Barock auf kühlere Zeiten zu verschieben.

CH-4125 Riehen: Wenkenhof
Barock von hinten

Reiste wieder nach Hause und widmete mich dem Einmachen meiner Gewürzgurken. Weiter gehts hier spätestens, wenn die Sauregurkenzeit vorüber ist.Saure Gurken

NB: Falls Benutzer des Safari-Browsers einzelne Bilder nicht sehen, möge man mir das doch bitte in einem kurzen Kommentar oder per email melden. Danke.

Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz: Riehen
wiki: Wenkenhof

CH-3942 Raron: I was here

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Maxenhaus und Burgerhaus

Das dringliche Bedürfnis mancher Menschen, dem Ziel ihrer Reise ihren persönlichen Stempel aufzudrücken, ist mir unerklärlich. Ruinen, Denkmäler, selbst Grabstellen werden mit Gravuren, Kritzeleien und Schmierereien geschändet. Dazu gehören auch ERinnerungstafeln.

Egal was man uns Nachfolgenden kündet, ob “I was here 2001″, “Helmut ♥ Gaby foreva”  oder “Goethe rastete hier am 22. Nov. 1801″; der Inhalt ist derselbe: sich auf die Geschichte oben drauf setzen. Wer später hinzukommt, muss die Botschaft über sich ergehen lassen.

Da macht Raron keine Ausnahme. Dem gewichtigen Besucher entsprechend in Bronze gegossen, vom löblichen Gemeinderat in Auftrag gegeben und bezahlt: Der tiefe Dank an Herrn Bundeskanzler H. Kohl, dass er im April 1989 die Grabstätte R.M. Rilkes auf dem Burghügel besucht habe.
CH-3942 Raron

Machen wirs kurz: ich war auch da. Hab mir mit Frau L. vor ein paar Wochen den Ort angesehen. Den steilen Burghügel musste ich alleine erklimmen. Dann tranken wir Kaffee und sind wieder gegangen. Ohne Spuren zu hinterlassen.

Raron, ein sehenswerter Ort, hübsch herausgeputzt. Der alte Dorfkern mit ein paar alten, herrschaftlichen Häusern, bescheidene bäuerliche Holzhäuser und Gaden, daneben viele neue Wohnbauten, die von Wohlstand künden. Chemie und Aluminium sei Dank.

Das auffälligste Haus liess sich Mitte des 16. Jahrhunderts ein Landvogt mit Namen Stefan Maxen im Unterdorf bauen. Die Arkade im Untergeschoss wurde durch frühere Überschwemmungen des Bietschbaches teilweise zugeschottert.

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Haus des Stefan Maxen
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Hölzerne Gaden im Dorfkern
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Häuser am Stalden, der weisse Treppengiebel gehört zum Zentriegenhaus

 

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Einfamilienhaus in Beton. Kirche in Mauerwerk

Raron gehörte seit der Zeit des Königreichs Hochburgund den Bischöfen von Sitten. Auf deren Veranlassung wurde vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert eine Wehranlage hoch auf dem Felsen über dem Dorf errichtet.

Aus dem 12. Jahrhundert stammt das Viztumsschloss, ein quadratischer Wohnturm und späteres Zendenrathaus. Der Begriff Viztum geht auf das lateinische Vicedominus zurück, den Stellvertreter des Bischofs. Seit dem frühen 13. Jahrhundert waren die Herren von Raron Inhaber des Amtes und beherrschten bis 1419 die Geschicke der Gegend.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts erfolgte der Bau eines annähernd quadratischen Palas als Amtssitz des bischöflichen Meiers. Der Meier, ursprünglich ein dem Viztum unterstellter Steuereintreiber, erlangte zunehmend Machtbefugnisse und wurde zum wichtigsten Vertreter der weltlichen Gewalt des Bischofs.

Nachdem die Dorfkirche im 15. Jahrhundert durch Murgänge und Überschwemmungen des Dorfbaches nahezu vollständig zerstört wurde, baute man die neue Kirche 1512 – 1518 auf den Burghügel um den Palas herum und nutzte ihn als Kirchenschiff.

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Der Viztumsturm

Im Innern der Kirche erfreut das Auge des Besuchers ein schauerlich-schönes Fresko aus dem Jahre 1612 mit der Darstellung des Jüngsten Gerichtes, das bei Renovationen 1923 wieder entdeckt wurde. Links die Guten, wohl behütet von Engeln, oben der Himmel mit vielen, eher gelangweilten Statisten. Bedeutend kurzweiliger geht es in der Hölle (rechts im Bild) zu. Ungeheuer mit Drachenköpfen zwicken Menschenleiber mit glühenden Zangen. Geschwänzte Teufel helfen mit Brandfackeln nach. Selbst Bischöfe sind von der Fahrt zur Hölle nicht ausgenommen. Immerhin brauchen sie keinen Fussmarsch auf sich zu nehmen. Naive Schau- und Schadenfreude.

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Fresko Das Jüngste Gericht
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Die dicken Mauern des ehemaligen Palas geben tiefe Fensterlaibungen

Ja und dann draussen, neben der Erinnerungsplatte an den Bundeskanzler, bescheiden an die Kirchenwand gesetzt, das Grab des Dichters J.M. Rilke. Der alte Rosenstock hatte bei unserm Besuch noch nicht ausgetrieben.

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Mit den Jahren wurde den Einwohnern der beschwerliche Aufstieg zur Burgkirche zuviel. 1971-1974 wurde in den Burgfelsen ein 6000 m3 grosses Loch gesprengt und darin eine Felsenkirche für rund 500 Besucher eingebaut.

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Oben die Burgkirche, unten der Eingang zur Felsenkirche

Diesmal hat es für die Rarner Eglifilets nicht mehr gereicht. Ein Grund mehr, wieder zu kommen.

Quellen:

Historisches Lexikon der Schweiz: Raron
Raron Sehenswürdgkeiten

CH-4922 Thunstetten: Schloss

CH-4922 Thunstetten

Versailles im Oberaargau. Das schön gelegene Landschlösschen Thunstetten wurde 1713 bis 1715 nach Plänen eines Pariser Architekten für den steinreichen Patrizier Hieronymus von Erlach erbaut. Das Schloss besteht aus dem Hauptbau und zwei südseits anschliessenden Flügeltrakten, die mit dem Toreingang einen Hof umschliessen. Auf der Hinterseite des Schlosses liegt die symmetrisch angelegte Gartenanlage.

Der 1667 geborene von Erlach trat als junger Mann in die Dienste der Schweizergarde in Frankreich, avancierte zum Hauptmann und heiratete 1694 eine Französin aus niederem Adel nach katholischem Ritus. Dazu schwor er dem evangelischen Glauben ab.

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Der Hauptbau, das corps de logis

Ein Jahr später verliess er Frau und Kind, die gegen Unterhaltszahlungen Schweigen gelobte. Er kehrte nach Bern zurück und heiratete dort eine reich begüterte Patrizierin. Diesmal wieder protestantisch. Ohne sich vorher scheiden zu lassen.

Bei Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges 1701 trat er in österreichische Dienste und befehligte als Oberst ein Regiment der Stadt Bern. Nun wollte die verlassene Frau mehr Geld von ihm und wandte sich an den französischen Botschafter. Von diesem unter Druck gesetzt, die bigamische Ehe öffentlich zu machen, willigte Hieronymus ein, Frankreich als “Beobachter” mit Informationen zu beliefern.

Hieronymus von Erlach
Hieronymus von Erlach (Bild: wiki)

Von 1702 bis 1714 diente er den Habsburgern in der kaiserlichen Armee am Oberrhein. Sein Doppelleben als Wolf im Schafspelz, der die Franzosen über die Planungen der kaiserlichen Armee informierte, blieb zu seinen Lebzeiten unentdeckt. 1704 wurde er zum österreichischen General, 1709 zum Feldmarschall befördert.

Er war eng befreundet mit dem habsburgischen Oberbefehlshaber der antifranzösischen Koalition, Prinz Eugen von Savoyen, und genoss die Gunst der österreichischen Kaiser. 1710 wurde er, trotz aufkeimender Verdachtsmomente, zum kaiserlichen Kammerherr, 1712 zum Reichsgrafen ernannt.

Opportunisten bringen es im Leben offensichtlich weit.

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Der „Cour d’entrée”, der durch Tor, Seitenflügel und Hauptbau gebildete Hof

Nach seinem Rücktritt als Oberst 1715 verfolgte er eine politische Karriere, u.a. war er 1721-1746 alternierend Schultheiss der Stadt Bern.

Die bescheidene Klause in Thunstetten wurde ihm bald zu klein. 1721-25 erbaute er ein grösseres Schloss, Hindelbank, und verkaufte Thunstetten. 1745, drei Jahre vor seinem Tod begann er in der Stadt Bern den Bau des prunkvollen Erlacherhofs.

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Gartenseite

Schloss Thunstetten wechselte mehrmals die Hand, bis es in den Besitz einer Langenthaler Arztfamilie kam, die es 1970 der „Stiftung Schloss Thunstetten” verkaufte. Wer will, kann das Schloss und seine Räumlichkeiten für Veranstaltungen mieten.

Quellen:
wiki:  Hieronymus von Erlach
Richard Feller, Geschichte Berns, Band III, 1955

CH-4438 Langenbruck: Kloster Schönthal

CH-4438 Langenbruck- Kloster Schönthal

Abseits der grossen Heerstrassen, versteckt in den Jurahügeln, liegt eine kleine, ehemalige Klosteranlage. Ein hübsches Kleinod in dem Seitental, das vom obern Hauensteinpass bei Langenbruck auf den Chilchzimmersattel (Bölchenpass) führt.

Im Jahre 1145 stifteten die Frohburger Grafen einer Benediktiner Mönchsgemeinschaft bewaldete Ländereien. Für den Bau der Anlage und um Platz für Weide- und Anbauflächen zu schaffen, wurde der Boden von Mönchen, Laienbrüdern -wohl vor allem von Knechten- urbar gemacht. Damit schuf sich der Konvent eine Lebensgrundlage. 1187 wurde die Klosterkirche eingeweiht. Bald darauf zog eine Gemeinschaft von Benediktinerinnen in einen getrennten Trakt der Gebäude ein. Im Verlauf des 13. Jahrhunderts löste sich der Männerkonvent auf (über die Gründe schweigen die Quellen). Das Kloster verarmte jedenfalls nach kurzer Blütezeit.

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Mit dem Erlöschen des Geschlechts der Frohburger 1367 fiel das Aufsichtsrecht erst an den Bischof von Basel. Später übernahm die Stadt Basel Kastvogtei (samt Zehnten) und Schirmherrschaft über das Kloster. Das Kloster blühte noch einmal auf.

Die Belastung der Bauern mit grossen Zehnten, kleinen Zehnten, Zöllen, Zinsen und Frondienst zur Aufrechterhaltung der damaligen Feudalgesellschaft führte 1525 im süddeutschen und schweizerischen Raum zu lokalen Bauernaufständen. 1525 wurde das Kloster am Kirchweihtag durch Bauern aus der Umgebung geplündert und verwüstet. Der Durchbruch der Reformation in Basel im Frühjahr 1529 bedeutete das Ende des Konvents.

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Wie die anderen Basler Klöster gingen Kloster und Klostergut Schönthal in die Verwaltung des Basler Spitals über. Die Erträge des landwirtschaftlichen Betriebs dienten fortan der Armenfürsorge.
Nach der Reformation wurde die Kirche fast 500 Jahre lang als Ökonomiegebäude verwendet und diente u.a. als Ziegelbrennerei, Geräteraum und Holzschopf. Sogar ein Zwischenboden wurde eingezogen.

Nach der Basler Kantonstrennung kaufte 1836 die Familie Wackernagel (ein 1833 aus Deutschland vertriebener Germanistikprofessor aus Berlin) Kloster und Landgut als Sommersitz.

Seit 1967 steht das Kloster unter kantonalem Denkmalschutz. Das heruntergekommene, romanische Baudenkmal wurde durch einen Investor 1987-89 und 1999 renoviert und 2001 samt dem 100 ha grossen Landwirtschaftsgut in die private Stiftung «Sculpture at Schoenthal» überführt. Seither dient die Anlage für Kunstfreunde als kulturelle Begegnungsstätte mit wiederkehrenden Ausstellungen von Bildern und Skulpturen, die im Kloster, Hof und in der umliegenden Landschaft zu besichtigen sind. (3 Gastzimmer)

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Ob die Stiefel eine Skulptur an sich darstellen, oder nur die Begehung der Landschaft bei Regen ermöglichen ? Barfüssermönche leben hier jedenfalls keine.

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Mein Interesse galt jedoch nicht moderner Kunst, sondern der hochromanischen Westfassade der Klosterkirche. Das Quadermauerwerk fugenlos versetzt, eine schön verzierte Portalwandung, ein Relief mit dem kreuztragenden Lamm, dem von einem zähnefletschenden Löwen und einem Mann gestützten Bogen und den beidseitigen Tabernakeln.

Die Inschrift auf dem Bogen (neben dem Löwen) lautet: HIC EST ODO. Ich hätte eher HIC SUNT LEONES geschrieben.

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Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz
wiki
Kloster Schönthal 1145

Fotos von verschiedenen Besuchen.

CH-8000 Zürich: einmal jährlich

CH-8000 Zürich

Jedes Frühjahr muss ich einmal nach Zürich. Früher mit, heute ohne Frau L. Eine Reise aus der beschaulichen Provinzstadt in die lärmige Grossstadt. Die drei Stunden Aufenthalt nutze ich zu einem Rundgang, immer darauf bedacht, dem hektischen Treiben auszuweichen.

Neues gibts nicht viel zu berichten. Baumaschinen auf dem Münsterplatz und anderswo. Neue Hochhäuser. Neuer Beton. Neue Quartiere. Eine neue Aussichtsplattform am See, welche die Aussicht auf diese Hässlichkeiten verdeckt. Ein wohltuender Ausblick in die Weite:
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St. Peter steht hingegen fest und unverändert am alten Platz:

Der alte Alfred Escher am Bahnhofsplatz hat seinen Ruhmeskranz immer noch nicht aufs Haupt gedrückt erhalten:

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Sonst viel junges, beruhigendes Grün auf Plätzen:

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und in stillen Winkeln:

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Schwarzenbachs Kolonialwarenladen, Wurst-Prétôt an der Kuttelgasse, Küchen-Sibler sowie der renovierte Lebensmittel-Globus sind jedesmal einen Besuch wert:

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Für die mehr oder weniger verlockenden Essensangebote der grossen Stadt blieb keine Zeit. Ich musste wieder nach Hause, kochen. Da weiss man, wie es schmeckt.

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F-68480 Ferrette: oder die Reise nach Manila

F-68480 Ferrette

An dieser Stelle müsste eigentlich das Bild einer Garküche in Manila stehen. Denn just in diesen Tagen hätte ich die Philippinen bereisen sollen. Auf Einladung des Philippine Department of Tourism und Vermittlung einer Schweizer Werbeagentur. 8 Tage lang. Wie kommen die nur auf mich ? Ich hab mich artig bedankt und… abgesagt. Einerseits weiss ich nicht, wo die Philippinen liegen und wie man da hin kommt, Mäxle kann weder schwimmen noch fliegen. Andererseits kann ich Frau L. nicht so lange alleine lassen. Sie ist sich gewohnt, dass ich sie bekoche und würde mir während einer so langen Abwesenheit glatt verhungern. Unsere Schokoriegel- und Erdnussvorräte reichen höchstens für 3 Tage.
Meinerseits wäre ich in Manila als Allesesser bestimmt nicht verhungert, Milkfish statt Forelle, Lapu Lapu statt Rösti mit Bratwurst. Nudelsuppe statt Tomatenspaghetti und bei Magenverstimmungen Arroz caldo.
Nun darf halt ein anderer food-Blogger mit. Ich freue mich für sie/ihn, wenngleich ich ein Tränchen Fernwehmut verdrücken musste. Fernweh bekämpft man am besten mit einer Fernreise. Nach Ferrette ins nahe Frankreich. 28 km von Basel entfernt. Keine Garküchen, keine Nachtmärkte, dafür ein Käseladen.

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Burg Pfirt, Skizze von 1589. (c): Bibliothèque Nationale et Universitaire, Strasbourg via wiki

Die Stadt Pfirt (Ferrette) liegt am Fuss zweier Burgruinen (Hohenpfirt), die seit dem 12. Jahrhundert belegt sind und im 16. Jahrhundert mit Befestigungen, Umfassungsmauern und Toren vereint wurden. Auf der Burg residierten die Grafen von Pfirt, die über einigen Besitz im Oberelsass verfügte. 1271 verkaufte der regierende Graf fast die gesamte Herrschaft an den Fürstbischof von Basel (Berthold von Pfirt, sein Bruder, war kurz zuvor Basler Fürstbischof) und erhielt sie, wie das noch heute bei Firmenpleiten üblich ist, von diesem als Lehen zurück. 1288 unterwarfen sich die Grafen von Pfirt nach militärischen Niederlagen Rudolf I. von Habsburg. 1318 erreichte der letzte männliche Vertreter des Geschlechts beim Bischof von Basel für seine Töchter die Lehenserbfolge und starb 1324. Die Erbin Johanna von Pfirt verheiratete sich mit Albrecht II., Herzog von Österreich und ermöglichte damit den Habsburgern die Ausweitung ihres Besitzes in Vorderösterreich.

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Nach weiteren Besitzerwechseln, 1504 an Reich von Reichenstein, 1510-1567 an die augsburgischen Fugger, wurde die Grafschaft Pfirt durch den Westfälischen Frieden 1648 als Comté de Ferrette zum Königreich Frankreich geschlagen und von Kardinal Mazarin sogleich in Eigenbesitz genommen. Bis zur französischen Revolution verblieb die Grafschaft im Besitz der Familie Mazarin. Alle Bemühungen der Bischöfe von Basel, ihr Lehen  zurückzuerhalten, blieben erfolglos.

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1633 wurde die Burg von den Schweden zerstört. Die Stadt ist seit 1790 Hauptort des Kantons Ferrette und heute ein kleines Zentrum im oberen Sundgau. Die 1892 vom deutschen Reich erbaute Eisenbahnverbindung Mülhausen-Pfirt wurde 1953 wieder aufgehoben.

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Die Kirche Saint-Bernard de Menthon (13. Jahrhundert), umgebaut 1914.

Gleich neben Ferrette liegt die Ortschaft Vieux-Ferrette, ein Ort der jünger aussieht, aber älter als Ferrette ist. Darin der Käskaller (Kaller mit a) des Monsieur Antony. Neben Androuët in Paris der bekannteste Käseaffineur Frankreichs. Der freundliche Monsieur Antony senior, Käsepapst und Käsegott in einer Person, empfahl uns verschiedene Käse und wir kauften, was er uns empfahl. Und fuhren sehr gut dabei. Mehr über Bernard Antony hier und hier. Bamberger Hörnle geschwellt mit Comté, Bleu de Savoie, Chèvre, Saint-Félicien, Époisses und Salzbutter aus Noirmoutier liessen zuhause jede Nudelsuppe vergessen machen.

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Mäxle vor dem Käseladen

Auf der Heimfahrt passierten wir Oltingue, um uns die spätgotische Kirche Saint-Martin des Champs anzusehen.

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Oltingue: Saint-Martin des Champs, mit Storch

Saint-Martin des Champs liegt, das sagt der Name, draussen im Feld, rund 500 Meter vom Dorfzentrum Oltingue entfernt. Bei dem spätgotischen Gotteshaus handelt es sich um die aus merowingischer oder frühkarolingischer Zeit stammende Mutterkirche der umliegenden Orte.

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Oltingue: Saint-Martin des Champs, ohne Storch

Bei Grabungen hat man 1989 unter dem Fußboden der Kirche Gräber und Sarkophage aus dem 7. bis 8. Jahrhundert entdeckt und offengelegt.

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Stein-Sarkopharg mitten im Kirchenschiff

Unter dem Verputz der Mauern im Chor stiess man auf Spuren alter Fresken aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, die aber nur noch zum Teil erkennbar sind. Adam und Eva sollen beispielsweise zu entdecken sein und der heilige Georg im Kampf mit dem Drachen. Da muss man schon genau hinschauen. Die barockene Frau Maria ist besser erhalten, ist ja auch jünger. Ein wenig bleich ist sie, aber was wären Kirchen ohne Kitsch.

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Maria Barock und im Hintergrund altes Graffelwerk

Das wärs für heute. Vielleicht entdeckt Schweiz Tourismus nun meinen Blog und lädt mich ans nächste Schwingerfest in Zäziwil ein, oder an den Chästeilet im Gurnigelbad. Da könnte ich wenigstens Frau L. mitnehmen.

Quellen:
Deutsche Biographie: Pfirt
wiki: Grafschaft Pfirt
Mythische Orte am Oberrhein. St. Martin-des-Champs

CH-4532 Feldbrunnen: Schloss Waldegg

CH-4532 Feldbrunnen: Schloss Waldegg

Vor den Toren der Stadt Solothurn liegt -von Balsthal her kommend nicht zu übersehen- Schloss Waldegg. Eine lange Baumallee führt zum erhöht gelegenen Barockschloss mit seiner Gartenanlage. Von weitem betrachtet, ein kleines Versailles. Aus der Nähe zeigt es sich “bloss” als ein langgestrecktes Solothurner Türmlihaus mit insgesamt 5 auf einer Reihe angeordneten Türmchen. Die drei mittleren Türme umschliessen den Kernbau. Zwischen den Türmchen ländlicher Barock und italienische Renaissance. Die äusseren Flügeltürme rahmen beidseits schmale, luftige Galerien ein, die an Liegeterassen eines alten Lungensanatoriums erinnern. Immerhin tragen diese Aussenräume zum pompösen Gesamtbild bei.

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Das Gebäude wurde zwischen 1682 und 1690 als Sommerresidenz des Schultheißen Johann Viktor von Besenval und seiner Frau Maria Margaritha von Sury erbaut. Das von seinen Söhnen erbaute Stadtpalais haben wir früher schon einmal besucht (siehe hier).

Der Vater von Johann Viktor, der alte Martin Besenval (Bösenwald) stammte aus dem Aostatal, kam in Augsburg als Silberkrämer zu Geld und liess sich 1628 in Solothurn nieder. Mit dem Handel in Silberwaren, Korn, Wein und Salz machte er sich (als Kriegsgewinnler des 30-jährigen Krieges) ein Vermögen und stieg innerhalb kürzester Zeit vom Parvenu in die Solothurner Oberschicht auf. Solothurn beherbergte von 1530 bis 1792 die französische Gesandtschaft in der Alten Eidgenossenschaft (daher der Name Ambassadorenstadt). Den Söhnen des Solothurner Patriziats standen deshalb Karrieren im französischen Königreich offen.

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Der 1638 geborene Johann Viktor von Besenval avancierte im Schweizergarderegiment in Paris zum besoldeten Hauptmann. Später übernahm er in seiner Heimatstadt leitende Positionen und wurde der reichste und mächtigste Solothurner seiner Zeit. Er versuchte Solothurn nach französischem Vorbild in einen absolutistisch regierten Stadtstaat umzugestalten. Als Fürsprecher der Franzosen in der Eidgenossenschaft und Vermittler von “Kriegsmaterial” (kampfstarken Söldnern) kassierte er vom Sonnenkönig erkleckliche Summen an Pensionen (heute würde man die als Schmiergelder benennen). Die Familie stellte wiederholt den Schultheissen von Solothurn und beherrschte mit den französischen Pensionsgeldern zwischen 1707 und 1723 die Stadt de facto im Alleingang.

Später folgte auf Waldegg Peter Viktor von Besenval, der in französischen Diensten eine militärische Muster-Karriere absolvierte. 1758 wurde er zum französischen Feldmarschall ernannt, 1767 Oberstleutnant des Schweizergarderegiments, 1781 Oberbefehlshaber der Truppen und Garnisonen im Innern Frankreichs. Während der Französischen Revolution war er Kommandant der zur Niederschlagung der Unruhen nach Paris beorderten Streitkräfte.

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Der Verlust der Salzpacht und anderer Machtmonopole sowie die Beschlagnahmung ihrer Ländereien im Elsass nach der französischen Revolution bewirkte den schleichenden wirtschaftlichen Niedergang der Familie. Der Verkauf von Landbesitz und Umwandlung in Wertpapiere erlaubte der Familie dennoch, ihren Lebensstil über das Ende des Ancien Régime hinaus weiterzuführen.

Im Schlossgebäude wurden Ende des 19. Jahrhunderts getrennte Wohnräume für die Besitzerfamilie eingerichtet und das Schloss ganzjährig bewohnbar gemacht. 1927 starb die Familie aus. Spätfolgen der Strategie, durch Heirat in immer die gleichen Familien (von Sury, von Roll und die eigene), das Geld zusammenhalten zu wollen.

1963 ging das Schloss als Stiftung an den Kanton Solothurn. Heute dient es als Wohnmuseum und als Veranstaltungsort für Ausstellungen, Konzerte und private Anlässe.

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Ländliche Venus: Schnitterin mit Handsichel und geernteten Feldfrüchten

Feldarbeit macht einfach Freude. Früher dem Adel, heute dem Kunstfreund ;-)

Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz: Besenval u.a.
Wiki: Schloss Waldegg