Weinrallye 34: Carciofi alla Romana, Artischocken römische Art zu einem Vernaccia

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Weinrallye mit was Essbarem. Kartoffelchips oder eine paar trockene Brotscheiben  wird Thomas von mir nicht kriegen. Da war doch noch was mit Artischocken… Richtig, der Artischockensalat mit Parmesanstreifen von Jutta Lorbeerkrone aus Rom.  Bei meinem Sizilianer hatte es gerade mittelgrosse Mammole romanesche im Angebot, die Blüten nicht besonders satt gepackt, trotzdem habe ich zugegriffen. Ernüchterung, als ich zuhause das Rezept von Jutta nochmals durchlas. Römische Artischocken seien für ihren Salat ungeeignet, und genau solche habe ich eingekauft. Die sardischen carciofini sind Ende Mai vorbei.

Dann halt Römische Artischocken nach Römer Art. Liegt ja irgendwie auch nahe. Ein klassisches Antipasto der italienischen Küche. Ich mache sie aber nicht nach Original, wie z.B. Marcella Hazan oder Peppinella, sondern nach Quick n’ Dirty, dennoch schmecken sie auch bei mir nicht schlecht.

In Kommentaren kriege ich immer wieder mit, dass sich viele LeserInnen nicht an die Artischocken getrauen.  Deshalb gibts hier die grosse Artischockenzerlegung etwas ausführlicher als für Eingeweihte notwendig. Heute lesen ja auch Weinfreunde mit ;-)

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Zutaten
4 mittelgrosse, römische Artischocken
2 Knoblauchzehen
50 ml Olivenöl extra
Saft einer halben Zitrone
1/2 Bund Petersilie glatt
8 kleine Pfefferminzblätter, auch Salbei geht
Salz, Pfeffer

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Knicken, Reissen
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Boden mit Sparschäler geglättet
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Geviertelt und das Heu entfernt
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anbraten im Wok

Zubereitung
(1) Von den Artischocken die harten, äußeren Blätter abzupfen. Das geschieht in der Weise, dass man die Blätter im untern Teil einfach umknickt und den geknickten Teil abreisst. Würde man sie bis zum Ansatz abreissen, verlöre man essbares Fleisch, und es bleibt ja eh wenig übrig. Die Stiele bis auf max. 5 cm abschneiden. Meine waren verholzt, also weg damit. Den obern Teil der Artischocken etwa in der Mitte quer abschneiden, dann die äussere Rundung der Böden mit einem feinen Sparschäler glätten. Artischocken vierteln und das Heu mit einem kleinen, scharfen Messer herausschneiden. Danach die geputzten Viertel sofort in ein Wasserbad mit etwas Zitronensaft legen
(2) Die Artischockenviertel über dem Dampfsieb ca. 3 Minuten vorgaren und abtropfen lassen
(3) Knoblauchzehen schälen und halbieren und mit den Artischockenvierteln im Wok im Olivenöl bei niederer Temperatur anbraten. Die Knoblauchzehen dürfen nicht braun werden. Nach ca. 10-15 Minuten sind die Artischocken gar.
(4) In der Zwischenzeit die Petersilie und den Pfefferminz hacken.
(5) Die Artischocken in eine Schüssel heben, lauwarm werden lassen. Inzwischen die Kräuter mit 2 Elf. Zitronensaft und 2-3 Elf. des benutzten Olivenöls (es darf auch frisches sein, dann sollte aber noch etwas feingehackter Knoblauch zu den Kräutern kommen) mischen und über die Artischocken träufeln.

weinrallye_200Was nun noch fehlt ist der Wein. Das soll ja ein Beitrag zum Weinrallye sein. Der event durch Thomas vom Winzerblog betreut. Ein weisser Orvieto, ein Verdicchio oder ein Vernaccia di San Gimignano würde mir gut zu den Carciofi gefallen.

Bei meinem Weinhändler fanden sich zwei Weine. Entweder ein Verdicchio von Fazi-Battaglia,  der, in eine Amphorenflasche gefüllt, auf beinahe jedem Tischchen römischer Touristenrestaurants in der Sonne steht. Dann doch lieber noch den hochklassigen Terre di Tufo, eine Assemblage aus Vernaccia, Malvasia, Vermentino und Chardonnay, den ich früher gemocht, aber aus den Augen verloren habe. Zu Hause musste ich feststellen, dass sich das Weingut seit 2005 im Besitz von Cam.pari befindet und zusammen mit Liebfraumilch aus Süd-Brasilien vermarktet wird.

Vernaccia zu Essbarem 2010 06 04_7418

Mein Wein
Terre di Tufi 2008
Bianco Toscana IGT, Teruzzi & Puthod
Assemblage aus Vernaccia, Malvasia, Vermentino und Chardonnay
13 Vol-% Alkohol
Klares strohgelb. Blumiges, anmutiges Bouquet, leichte Vanillenote. Im Gaumen mit lebhafter Säure, Chardonnaymineralik und Anklängen an Stachelbeeren. Ein frischer Finessenwein, ohne die schwere Üppigkeit südlicher Chardonnays.

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33 Gedanken zu “Weinrallye 34: Carciofi alla Romana, Artischocken römische Art zu einem Vernaccia”

  1. Mmmhm, da nehme ich die Artischocken und den Wein! ;-)

    Gute Artischocken kriege ich hier selten, dabei mag ich die total gerne. Meine Versuche, selbst welche anzubauen, sind auch gescheitert… So lange ergötze ich mich an Deinen schönen Fotos. :-)

  2. Ich gehöre auch zu den artischockenscheuen. Mir wird immer versichert, dass das alles total einfach und so sei, aber irgendwie… bisher nicht. Obwohl es die selbst auf dem Crellemarkt zur Saison immer gibt.

  3. Den Terre di Tufi mochte ich auch mal recht gerne. Neulich ist er mir mal wieder über den Weg gelaufen und irgendwie war ich enttäuscht. Der war nur mineralisch, keine Stachelbeere und auch nis blumiges. Vielleicht irgendeine Fehlnote…

  4. Auf diese Beschreibung bei der Vorbereitung der Artischocken habe ich schon lange gewartet. Jetzt könnte ich es ja auch mal versuchen.

  5. Den Tere di tuffi kennt wohl jeder italienische Gastronom hier in Deutschland. Wir trinken ihn immer, wenn uns kein andere Wein auf der Karte zusagt. Hoffentlich wird er nicht mit der brasilianischen Liebfrauenmilch verschnitten…

  6. Die so verputzten Artischocken sind beim essen keinen Genuss! Nach dem glätten mit dem Sparschäler verbleiben noch zu viele Grünanteile, die dann beim geniesen einfach faserig stören. Ich geize beim glätten nicht so sehr, alles weg bis die hellen Blattansätze und der Boden sichtbar wird.

  7. @Barbara: auf Selbstanbauen verzichte ich auch besser. Hier gibts genug davon zu kaufen.

    @kochschlampe: Möhren schälen ist etwas einfacher und gibt weniger Abfall, das stimmt. Das ist aber auch gleich alles.

    @Toni: nach einer Pause von 10 Jahren war dies die erste Flasche. Seit der Cam.pari hier regiert, werde ich die Finger davon lassen. Schlecht war er trotzdem nicht.

    @Mestolo: fast ? entweder, oder ;-).

    @Vanille: Das lernt man am besten im Selbststudium.

    @Peter: ist einfacher als Thaiküche ;-)

    @Nathalie: das habe ich mir gedacht. Der Wein ist in der Gastronomie nach wie vor beliebt.

    @Rosa: 1 Million Flaschen pro Jahr sind nicht nichts.

    @Susa: das glaub ich nicht, sonst ist der gute Ruf gleich weg.

    @Magdi: aus ? sowas, und das in Italien.

    @Claus: wie ein brasilianischer Liebfraumilch schmeckt, hätte mich brennend interessiert :-)

    @R.K.: uns haben sie geschmeckt. Wenn man sie ganz bis zum Ansatz abschält, verschenkt man auch essbares Fleisch, dafür geht man ganz sicher. Das muss man für sich selbst entscheiden.

  8. Schöne Kombination. Ich würde neben einem Verdicchio auch einen ungefilterten Soave nehmen. Bissi weit weg von Rom, ich weiss.

  9. Wie schoen! Schmeckt wirklich prima. Ich hatte vor kurzem die Stielversion ausprobiert aber das ganze etwas anbrennen lassen und von daher nicht gepostet. Ist eine feine Angelegenheit!

  10. Wenn Dir der Terre di Tufo nicht mehr zusagt, probier doch mal ,wenns weiß und Toskana sein soll, den Bolgheri-Vermentino von Antinori. Auch für rieslingverwöhnte Zungen frisch und angenehm zu trinken, dürfte er natürlich auch zu diesen Artischoken passen.

  11. Das ist heute aber eine ganz tolle Erklärung, obwohl ich auch mit Deinen früheren Beschreibungen klar kam.Es erstaunt mich, bei Dir heute erstmalig(bin nicht ganz sicher) vom Wok zu lesen!!!

  12. Hast Du Dich mit unserem lokalen Gemüsehändler verschworen?
    Der hat gerade ziemlich große Artischocken für 2 Euro pro Stück im Angebot. Doch, da war schon Verlockung da. Ein Exemplar würde ja zum Probieren reichen. *grübel*

  13. Danke für die schöne Anleitung, das mit dem Sparschäler werde ich ausprobieren. Allerdings gibt es bei uns momentan nur die großen Artischoken. Die koche ich immer im Stück und serviere eine Vinaigrette dazu.

  14. Wie schön zu hören, dass es auch ausserhalb von Rom so viele Artichokenfans gibt und dank deiner Carciofi Sezierbilder trauen sich hoffentlich noch mehr an dieses fantastische Gemüse. Den Weinvorschlag mit dem ungefilterten Soave von Eline find ich gut, macht nichts wenn es geografisch weit weg ist. Mir fällt auch der friulano, noch weiter weg, dazu ein. In Lazio gibt es leider NOCH nicht so viele gute Weine.

  15. @Elisabeth: doch bevor man an das Herz kommt, muss man lange schälen.

    @Eline: ausser Soave Bolla hab ich noch nie einen getrunken.

    @Jutta Lorbeerkrone: und ich hab mich schon gewundert, dass ich die bei dir nicht finde.

    @duni: danke für den tipp. An Antinori komme ich relativ leicht.

    @Buchfink: zum zweiten Mal. Frau L. hat mit den Pfannenpunkten die Grillpfanne gekriegt, ich den Wok.

    @Hesting: dochdoch, an jeder verkauften Artischocke verdiene ich 1 € mit :-) Die ganz grossen Köpfe werden eher gezuzelt, sonst bis aufs Weisse abschälen und achteln, ich lasse auch keine Aktion aus.

    @Jan Theofel: damit kann man auch Fussball spielen ;-)

    @Linda: daran würde ich auch nichts ändern.

    @Alex: sorry für die fehlenden Stiele.

    @Ulimengo: ich trinke auch einen gewöhnlichen EstEstEst! dazu. Falls ich einen kriege.

  16. Ups. da hatte sich der Sohn mal wieder nicht ordentlich abgemeldet (bzw. ich war zu schusselig und hab’s nicht bemerkt). Hier nochmal unter echter Identität:

    Also ganz ehrlich, ich schäle auch einen Tick mehr. Schade, dass der Kauf meiner geballten Artischockenladung schon wieder so lange her ist ;-)

  17. Ich habe eine Liste aufgestellt mit allem was ausprobiert wurde…und daneben gegangen ist. Da stehen sie leider drin….war eine Mischung zwischen alla romana und alla giudia. Hat auch geschmeckt-sehr- war aber nicht das Wahre..

  18. @Cascabel: ein tick mehr hätte es sein dürfen für ein Lehrmittel :-)

    @Jutta Lorbeerkrone: auf der Blüte stehend mit nach oben gerecktem Stiel sehen sie perfekt aus. Ich schaue sie mir gerne an, wie Du sie machst.

    @Ben: einen tick mehr schälen.

    @the rufus: chaotisch, wie immer.

    @ULIMENGO: die Geschichte kannte ich mal, ist mir aber entfallen. Muss mal im Wiesel oder bei Reinhard Raffalt nachblättern.

  19. Ich hab gestern einen hervorragenden Est! Est!! Est!!! getrunken und dabei an dich gedacht und da hab ich mich erinnert, dass ich dir die Geschichte „liefern“ wollte. Hoffe du hattest noch nicht nachgelesen.
    Der Überlieferung nach soll im Jahr 1111 der deutsche Prälat Johannes Fugger auf seinem Weg nach Rom einen Diener vorausgeschickt und beauftragt haben, bei allen Gasthöfen mit gutem Wein das Wort „est“ (hier) an die Tür zu schreiben. Dem Diener schmeckte in Montefiascone der Wein so gut, dass er gleich dreimal „est“ anschrieb…

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