Grenzland 2010: Val Bregaglia I, Sopraporta

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Unterhalb Vicosoprano

Das Bergell (italienisch Val Bregaglia, ursprünglich von Prae-Gallia, Vorgallien) ist eines der Bündner Südtäler, gelegen zwischen dem Malojapass (1815 m ü. M.) und Chiavenna (333 m.ü.M.).  Der obere und grössere Teil des Tals gehört zum Kreis Bergell des Schweizer Kantons Graubünden, unterschieden in Sopraporta, oberhalb, und Sottoporta, unterhalb der mittelalterlichen Talsperre von Promontogno. Der unterste Teil (auch Val Chiavenna)  gehört zur italienischen Provinz Sondrio.

In Vicosoprano, dem Hauptort des Bergells, beginnt unsere alljährliche Wanderung, hinunter nach Promontogno.

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Vicosoprano, Rundturm 13. Jhdt Rathaus
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Vicosoprano, Wohnhaustüre
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Vicosoprano, Brücke über die Mera
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Herr L., eine Hopfenelfe mimend
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Coltura, Schloss Castelmur
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Burg Castelmur bei Promontogno

In karolingischer Zeit gehörte das Bergell zum churrätischen Ministerium Bergallia. 960 schenkte Otto I der Grosse, derselbe, der in Magedeburg begraben liegt, das Bergell dem Bistum Chur. Das Tal war schon seit Römerzeiten durch eine Passstrasse  mit dem Norden verbunden. Der Septimerpass (2310 m) war früher neben dem Grossen St. Bernhard und dem Brenner einer der wichtigsten Alpenübergänge. Vorteilhaft war seine direkte Nord-Süd-Verbindung und die günstige Topographie, die einen einfachen Wegbau zuliessen. Der Besitz der gesamten Septimerroute von Chur bis Chiavenna einschliesslich der damit verbundenen Zolleinnahmen bildete über Jahrhunderte hinweg die Machtbasis des Churer Bischofs. Über den Pass zogen Händler und Heere, Könige und Kaiser, 961 Otto der Grosse und 1164 Friedrich Barbarossa. Mit der Öffnung der Viamala 1473 verlor der Septimerpass an Bedeutung und vergandete wieder zum Saumpfad. Projekte für eine Strasse über und eine Bahn unter dem Septimer wurden nie realisiert.

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert wurde die italienische Sprache im Bergell zur Hauptsprache erklärt. Die Zeit der Bündner Wirren und des dreissigjährigen Krieges mit spanischen und französischen Truppen auf Bergeller Boden waren eine schwere Prüfung für die Einwohner. Im Bergell leben heute noch rund 1600 Einwohner.

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Talweiden

In Promontogno steht das wunderliche Hotel Bregaglia, inmitten alter Bäume und dem  geliebten Entenweiher vor dem Eingang. Ein Kleinod der “Belle Epoque”, renoviert, aber ohne jeden neuzeitlichen Komfort.  Wir haben uns ein paar Zimmer zeigen lassen, sehr schön, alles aus dem Jahre 1887. Das Bergell ist ein Tal für Menschen, die leise Töne lieben. Wer die sucht, wird  sie hier finden und immer wieder gerne hierher zurückkehren. Hier haben wir es uns denn auch gut gehen lassen. Die junge Köchin überrascht mit einfachen, aber guten Speisen.

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Ergebnis der Entenzählung und Vergleich mit Vorjahr: vollzählig !
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Promontogno, Platz dem Postauto
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Promontogno, Hotel Bregaglia
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Hotel Bregaglia, Treppenhaus
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Hotel Bregaglia, Speisesaal
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Rucola, Parmesan, Pesto
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Spaghetti alla chitarra

Mehr Val Bregaglia unter anderem Titel aus dem Jahre 2007.
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21 Gedanken zu “Grenzland 2010: Val Bregaglia I, Sopraporta”

  1. @Nathalie: Das Schloss eines Bäckermeisters. Deshalb hab ich keines.

    @Peter: vor allem gehts immer abwärts ;-)

    @Rosa: das Bündnerland eben.

    @Jutta L.: die schönsten Zimmer haben fliessend Wasser.

    @Claus: Hier wächst wilder Hopfen, Wein gedeiht erst tiefer unten im Tal.

    @anie’s delight: wir schwitzen bei minus 1 °C. Das sind Bilder aus unseren Herbstferien :-)

    @SchnickSchnackSchnuck: man beachte die elfenhafte Eleganz.

    @Toni: das war in den Ferien. Jetzt liegt dort Schnee !

    @karine: Die Turmzimmer sind am Schönsten.

    @the rufus: Sammelergebnis etwa 500 g Hopfenblüten. Die kommen in den Tee.

    @Mykitchen: these are our Rockies ;-)

  2. Ich liebe solch altmodischen Hotels, völlig aus der Zeit gehoben. Und der Postbusschaffner ist sowieso ein Held, wie er so kühn um die Ecke braust!

  3. Wüsste ich nicht, dass das Wetter, respektive die Temperatur, jetzt ganz anders ist als auf Deinen Bildern, bekäme ich Heimweh. Interessant, wie Deine Reiseberichte immer sind.

  4. @Buchfink: brausen tut der Chauffeur nicht, er fährt vorsichtig. Das ist aber auch nicht die engste Stelle. In Carona im Tessin muss er durch ein enges Tor fahren, da spenden die Fahrgäste jedesmal lauten Beifall wenn ers berührungsfrei geschafft hat.

    @Houdini: die einen ziehts in die Ferne, die andern in die Nähe ;-)

    @mountain: Danke für den link auf die schönen Wanderberichte. Im Palazzo Salis hab ich noch nie übernachtet.

  5. Wunderschön. Diese Gegend sieht sehr ursprünglich aus. Und die Postautos, die sind überall und sie fahren die engsten Straßen und die gefährlichsten Strecken. Und ein gutes Essen gehört auch immer zu so einem Ausflug. Ihr findet doch immer was Gutes.

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