Ma’ccarona Bel Laban, Makkaroni an Paprika-Joghurt

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Ma'ccarona Bel Laban

Mir bleibt doch nichts erspart. Nun auch noch Syrien. Waren das noch Zeiten, in denen das römische Imperium die ganze Mittelmeerküste beherrschte. Das hätte den Mittelmeerevent von Tobias wesentlich abgekürzt ;-)

Bei meiner assoziativen Art des Suchens mit google blieb ich im Blog des Syriers syrianfoodie in London hängen, der ursprünglich Koch werden wollte, nun aber das verwandte Handwerk eines Chirurgen in London ausübt. Wie man bei ihm liest, sollen die Araber die Kunst des Pasta machens nach Rom gebracht haben. Für ihn keine Frage, dass das nur Syrier gewesen sein können. Auch wenn heute italienische Pastagerichte an jeder Ecke von Damaskus gegessen werden, gibt es (gemäss seiner Grossmutter) doch drei traditionelle, syrische Gerichte: Ma’ccarona Be Lahmeh (mit Fleisch), Ma’ccarona Be Jebneh (mit Käse) oder Ma’ccarona Bel Laban (mit yogurt).

So etwas isst mir auch Frau L., trotz des fremden Namens. Und weil das in unserer kalten, ungeheizten Küche schnell zu kochen war, wurde es auch nachgekocht. Die Kochprozedur habe ich, abweichend vom Original, ein wenig italianisiert, indem ich Olivenöl ins Kochwasser schütte. Ich höre schon den Aufschrei, der durch das ganze Heilige Römische Reich Deutscher Nation hallt. Ich machs trotzdem, obwohl die Nudel unten ist und das Öl  oben schwimmt. Alfons Schuhbecks Ausspruch kenne ich auch: “Die Nudel fragt sich natürlich, was da oben das Öl macht. Das Öl sagt dann: „Ich habe keine Ahnung! Der hat mich einfach draufgeschüttet!“ und so weiter…

14ter mediterraner Kochevent - Syrien - tobias kocht! - 10.11.2010-10.12.2010

Zutaten
für 2 Personen

250 g Pasta (bei mir selbstgemachte Maccaroni)
3 Elf. Olivenöl
3 Knoblauchzehen
Salz
2 Elf. Ghee (bei mir frische Butter)
1 Becher griechischer Joghurt (200 g)
Paprikapulver edelsüss (von Ingo Holland)
1 Elf. Minze getrocknet, zerrebelt
wenig Kochwasser

Zubereitung
(1) 3 L Wasser zum Kochen bringen, salzen. 3 Elf. Olivenöl, 1 Tlf. Paprika, eine gehackte Knoblauchzehe und eine Prise zerrebelte Pfefferminzblätter zugeben. Die Pasta in diesem Sud knapp al dente kochen.
(2) Während die Pasta gart, 2 Elf. Butter mit 1-2 Tlf. Paprika aufschäumen lassen, ferner 2 Knoblauchzehen in den Joghurt pressen, leicht salzen und mischen.
(3) Bevor die Pasta abgeschüttet wird, mit einer Suppenkelle das obenaufschwimmende, aromatisierte Öl mit wenig Kochwasser abschöpfen und in eine grosse Sauteuse geben.
(4) Pasta abschütten, in die Sauteuse geben und sie etwa 1 Minute (unter erhitzen) im aromatisierten Öl/Nudelwasser schwenken.

zum Anrichten die Pasta in vorgewärmte Teller geben, den Knoblauch-Joghurt darauf verteilen, die Paprikabutter drüber giessen und mit getrockneter Minze bestreuen.

Ach ja, die Maccaroni:
Mit meinem neuen Pasta-Vorsatz habe ich erstmals extrudierte Pasta hergestellt. Makkaroni hätten es werden sollen. Aussehen tun sie wie gebleichte, stachlige Kakteen aus dem Pflanzenmarkt. Selber schuld. Ich habe mich nicht an das empfohlene Rezept, sondern an jenes eierfreie von Peppinella gehalten ohne zu bedenken, dass Sie eine professionelle Maschine, und ich nur einen primitiven Haushaltvorsatz besitze. Aber die Maccaroni werden wir noch kleinkriegen. Die oder ich.

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Pasta Tentakeln

Zutaten
500 g Hartweizenmehl (De Cecco)
ca. 200 g Wasser
1 Tlf. Salz

In der Küchenmaschine mit dem Flachschläger zu einer krümeligen Masse (etwa wie pulvrige Semmelstreusel) rühren. Kleine Portionen der Teigstreusel mit konstanter Zufuhr durch den Einfüllschacht in das Maschinchen füllen, auf Stufe 1-2 laufen lassen. Die Maccaroni mit dem mitgelieferten Abschneider auf gewünschte Länge abschneiden. Den Schacht nicht füllen. Die Pasta leicht bemehlen.

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43 Gedanken zu “Ma’ccarona Bel Laban, Makkaroni an Paprika-Joghurt”

  1. Voll mutig, hier zuzugeben, dass Du Olivenöl ins Kochwasser schüttest. Ich winde mich vor Schmerzen ;)

    Schönes, nachkochbarwertes Rezept für mal schnell gemacht.

    1. ich weiß auch nicht, ob ich zum nachkochen komme … ich such den vollständigen nudel-öl-dialog .. und kaktus-nudeln … :smile

  2. die pasta sieht super aus! aber das mit dem oel erschliesst sich mir nicht… warum machst du das? und sag jetzt nicht: weil ich es kann….

  3. Bei aller Liebe zur italienischen Küche: das ist ein sehr feines Gericht. Wie so viele Nudelrezepte, die nicht aus Italien stammen. Nur manchmal fehlt mir der Käse drauf, so rein gefühlsmässig, weil ich durch hunderte Pastaportionen so konditioniert bin, auch wenn er nicht zu diesem Gericht passt.

  4. Also mir gefallen deine Stachel Ma’ccarona Bel Laban. Künstlerisch wertvoll! ;-)
    Ich fürchte, ich komme um die Anschaffung einer Nudelmaschine nicht mehr lange drumrum, um mitreden zu können…

  5. Die “Pasta-Tentakel” waren der erste Lacher des Tages, danke dafür. :)
    Schönes, simples Rezept, Zutaten hat man ja eh meistens im Haus, das wird demnächst ausprobiert!

  6. @DerSilberneLöffel: als Schmiermittel ;-)

    @Tina:
    @Bolliskitchen:
    Lest nur: http://www.cliffordawright.com/caw/food/entries/display.php/id/50/

    @Rosa: its an accessory to my Kenwood.

    @Linda: an irgendetwas scheitert die Menschheit immer ;-)

    @Basler Dybli: bin nicht so weit gereist wie Du. Keine Ahnung um was es sich da handelt.

    @chriesi: das muss sich erst noch beweisen !

    @Mestolo:
    @Nata:
    Der Trick mit dem Abschöpfen des aromatischen Öls stammt von einer italienischen Mamma. Aber wenn Schuhbeck über italienische Küche spricht, schweigen die Mammas besser ;-)

    @sammmelhamster: die kochen sich weg.

    @Elisabeth: die Mär von Marco Polo stimmt kaum. Siehe den link, den ich bei Tina oben reingehängt habe.

    @nina: warum ? Das Öl nimmt die Aromen vom Hartweizen und den zugefügten Gewürzen auf, wird dann abgeschöpft und nochmals mit der pasta aufgewärmt. Dabei nimmt rauhe Pasta das ganze Gemisch von Öl und Kochwasser auf. Das eignet sich am besten für nature servierte pasta, wenn pasta mit Sauce serviert wird, gebe ich auch kein Öl ins Wasser.

    @Eline: pastagerichte, die nicht aus Italien stammen, gibt es viele. Ich bin froh um die events, die einen so etwas entdecken lassen.

    @multikulinaria: wenn Du keine Maschine hast, empfehle ich Dir, erst eine Walze anzuschaffen.

    @Andrea: nicht sparen mit Paprika !

    @Jutta L.: in einem andern syrischen Blog habe ich das Rezept als Syrische Variante der Alfredo Nudeln gelesen :-)

    1. aus Wiki: Sucuk ist eine kräftig gewürzte Rohwurst aus Rind- oder Kalbfleisch und Lammfleisch, die von Südosteuropa über die Türkei bis in verschiedene arabische Länder verbreitet ist. Sie wird mit Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer, Kreuzkümmel, Knoblauch und weiteren Zutaten scharf gewürzt, luftgetrocknet und zum Teil auch geräuchert. Sie wird meist warm gegessen, üblicherweise in Scheiben geschnitten und im eigenen Fett gebraten = sprich FLEISCH !!! :-)

  7. Zum tollen nachkochenswerten Rezept und der außergewöhnlichen Pasta-Form wurde ja schon alles gesagt, daher nur so viel: deine/eure Küche kann gar nicht kalt sein – so viel wie du da kochst und brutzelst, ist die mit Sicherheit immer wohltemperiert!

  8. Ich würde die Pasta vor dem Kochen sogar etwas antrocknen lassen: damit die kleinen Stacheln bloß nicht verschwinden, sondern recht viel Sauce aufnehmen können. ;)

  9. Kommunikation zwischen Nudeln und Öl, ist ja witzig.
    Ich denke damit ist die Frage geklärt, warum man Öl ins Nudelwasser geben kann. Mit wem sollten die Nudeln sich sonst unterhalten?
    So einen Makkaronivorsatz kauf ich mir auch, klasse Rezept, gut dass wir drüber gesprochen haben! ;-)

  10. Diese Joghurt-Paprikabutter-Minze-Kombination zusammen mit Nudeln kenne ich aus der türkischen Küche und liebe sie sehr (gerne auch noch mit ein bisschen Hackfleisch dazu). Das esse ich jederzeit, auch wenn es syrisch ist :-)

  11. Ah, ich hatte schon mal gesehen, wie Leute im Zug (kalte) Nudeln mit Joghurt mischten und das als Snack aßen. Dies Gericht ist davon wohl die Edelvariante mit Gewürzen!

    Die Pasta sieht bei mir exakt genauso aus, obwohl mein Teig vollkommen anders war, und, wie schon geschrieben, sehr leicht zur Verstopfung (der Maschine) führte. Dein Teig ist trockener, ich hatte bisher nur Eiernudeln und kein Salz im Teig (nur Hartweizen + Ei).

    Es ist ein gutes Gefühl, eigene Pasta zu essen.

    Auch ich würde zuerst zur Walze raten, denn das ist einfacher und vielseitiger und schneller saubergemacht. Und selbstgemachte Lasagne ist der Hammer!

  12. Das erinnert mich an ein türkisches Rezept (den Namen habe ich leider vergessen), dass ich mir und meinem ehemaligen Liebsten einst gekocht hatte. Nudeln, griechischer Joghurt, Paprikapulver, aber dazu eben noch Hackfleisch (halb und halb – wir sind beides lediglich atheistische bzw. ev.-luth. Deutsche, da darf dann auch Schwein ran *g*). Sehr lecker!

  13. @Frau Kampi: gleichzeitig gemachte Spaghetti waren noch viel schöner, die sahen aus wie Stacheldraht.

    @Eva: nach 4 Wochen Unterbruch ist tatsächlich wieder geheizt.

    @Hesting: so lange man sich daran nicht verletzt ;-)

    @Franz: mal sehen, wie die nächsten Versuche damit werden.

    @Gourmet-Büdchen: ich bin noch nicht überzeugt, ob es damit gelingt, Makkaroni herzustellen, die besser als käufliche sind.

    @romano: es gibt lustigere Schreiber als mich. Ich tu mich schwer damit.

    @bee: eines der Themen, mit denen man nie zu Ende kommt.

    @barcalex: der Reiz hier ist die Butter-Paprikapulvermischung, die in den Joghurt läuft. Obwohl ich keinen Joghurt mag, kann ich davon nicht genug bekommen.

    @Petra: alle diese Gerichte lassen sich kaum auf ein einziges Land eingrenzen.

    @Sus: Dafür sollen die Bronzematrizen gut sein, ja.

    @azestorou: So ist es. Gekaufte Lasagne ist viel du dick. Morgen gibt es hier welche.

    @Hilke: Fleischgefüllte Ravioli mit einer Joghurt-Paprikasauce (Beyaz Mantı) habe ich in meinen Bloganfängen auch schon gemacht.

  14. Oh, sehr schön.
    Wenn ich mich nicht an meine eingekochte Tomatensauce gewagt hätte, hätte ich das heute Abend nachgebaut. Ich brauchte ganz schnell ein schönes, warmes Essen.

  15. Ich finde die Maccheroni eigentlich perfekt, weil rohe Oberfläche ist gleichzusetzen mit größerer Oberfläche, wo die Sauce besser anhaften kann. Was wünscht man sich mehr?

  16. Toll, die selbst gemachten Maccaroni! Freut mich auch, dass es Frau L. zugesagt hat.
    Sei doch bitte so nett und verlinke noch aus dem Text auf den Event. Danke dir, dass du so fleißig dabei mitmachst.

    Liebe Grüße
    Tobias

  17. @kochschlampe: Konserven sind noch schneller.

    @kitchenroach: keine ist im Hals stecken geblieben.

    @Andreas: Patentierbarkeit setzt Reproduzierbarkeit voraus.

    @Ralf: hat irgendetwas mit Fraktalen zu tun.

    @entegut: beim Kochen gibt sich das.

    @Anikò: eigentlich hast Du recht.

    @Tobias: erledigt.

    @April: es geht auch mit gekauften Makkaroni.

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