Weinrallye 41: Sandwichweine

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Wer ist der Schönste im ganzen Land ?

weinrallye_200 Heute ist Weinrallye. Bernhard von Bernhard Fiedlers We(in)blog widmet “sein” Weinrallye Weinen, die mindestens zwei, nicht aber älter als 5 Jahre sind. Also Weinen dazwischen. Wie steht es um diese Weine ?

Die weissen Hauptrebsorten der Schweiz, Chasselas und Müller-Thurgau (Riesling&Sylvaner), werden in der Regel als Jungweine getrunken. Seit einigen Jahren ist aber den Lokalfavoriten mit neuen (alten) Sorten eine ernstzunehmende Konkurrenz erwachsen. Zum Beispiel im Kanton Wallis mit dem Petit Arvine. Eine  autochthone Rebsorte, die hier seit rund 400 Jahren angepflanzt wird. Die aufgrund ihrer kapriziösen Ansprüche  gegen Ende der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts aber beinahe ganz aus den Weinlagen verschwunden war. Ganze 14 Hektaren waren im Wallis  noch damit bepflanzt. Sie gedeiht nur auf besten Lagen, der Boden darf nicht zu feucht, aber auch nicht zu trocken sein.  Sie verlangt nach mageren Böden, reagiert empfindlich auf Herbizide. Mag weder allzuviel Wind noch allzuviel Hitze, reift spät, gebärdet sich im Keller wie eine Mimose.

Mittlerweile sind im Wallis wieder 150 Hektaren mit der Petit Arvine angepflanzt. Die besten Weine daraus gehören zu den ganz grossen Weissweinen der Welt, intensive, vollmundige, trockene Weissweine mit lebendiger Säure und einer wundervollen Aromatik. Glyzinienblüten, Honig, Grapefruit, Limone und Ananas. werden bei Degustationen oft zitiert. Im Gaumen bestechen sie im Abgang durch eine charakteristische, leicht salzige, (eher) mineralische Note. Auch diese Weine werden meist jung getrunken, vertragen jedoch durchaus ein paar Jahre Lagerung.

Seit bald 2 Jahren lagere ich einen kleinern Bestand an 2007-er Petit Arvine in meinem Keller. Ich hätte ihn schon längst austrinken sollen, aber immer kamen wieder neue, andere Weine dazwischen. Nun kommt mir der event gerade recht, je ein Muster davon zu öffnen.

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Meine Weine

Petite Arvine, Clos de Cochetta, Robert Gilliard, 2007
Produzent: Maison R. Gilliard, Sion
Alkoholgehalt: 12.8 %

Petit Arvine, Chateau Lichten, Loèche, 2007
Produzent: Rouvinez Sierre
Alkoholgehalt: zirka 13.5% Vol.

Petit Arvine, Flaction, Saillon, 2007
Produzent: Cédric Flaction, Cave des Cailles, Sion
Alkoholgehalt: zirka 13.5 %

Alle drei Weine bewegen sich auf ähnlichem Qualitätsniveau. Der Clos de Cochetta ist mit einer Silbermedaille am Concours Mondial de Bruxelles ausgezeichnet worden, der Chateau Lichten mit der Silbermedaille an der Expovina Zürich.
Alle drei weisen eine helle grünliche bis goldgelbe Farbe auf, einen zarten floralen Duft nach Aprikosen, Melone. Im Gaumen Grapefruit, kräftig und fruchtig, lebhafte, aber nicht aggressive Säure, langanhaltende Aromen mit mineralisch-salzigem Abgang.
Einzig der Cochetta wirkt etwas weniger frisch, öliger als die beiden andern. Sieger meiner Vergleichsdegustation ist derjenige ohne Medaille: von Flaction.

Chateau Lichten und  der Flaction haben noch kaum von ihrer ursprünglichen Frische eingebüsst, keine Eile, sie auszutrinken.

12 Gedanken zu “Weinrallye 41: Sandwichweine”

  1. Hmmm, sandwichweine? Weine, die zu sandwiches passen, klar doch, bin doch nicht blöd … aha, wieder was gelernt, aber diese weine hätte man doch auch mittelalterweine nennen können, zum beispiel. Nun, das ist ja nicht deine wortschöpfung, lieber robert. Aber, eine sache würde mich doch sehr interessieren: zu was für sandwiches würde denn der petit arvine deiner meinung nach am besten passen?

  2. Du kennst dich aus, ich bin fasziniert! Die Düfte ziehen mich an… mhm…
    Im Dezember habe ich das erste Mal von einem weißen Zweigelt gehört, ihn gleich probiert, und nun bin ich auf der Suche nach ihm, weil er absolut göttlich schmeckt… :-)

  3. Ich wäre beim Schmecken kaum auf Glyzinienblüten gekommen. Nahezu unmöglich, da ich weder weiß wie sie schmecken, noch wie sie aussehen!

  4. In der Tat in guten Jahren einer der besten Weissweine weltweit, phänomenales Bouquet mit ausgeprägten Zitrusaromen. Leider immer sehr schnell ausverkauft. Für mich, neben Flaction, eine der herausragenden Produzentinnen: Marie-Therèse Chappaz aus Fully.

  5. du machst mich neugierig auf diese rebsorte. ich hoffe, dass bei unserer privaten verkostung von schweizer weinen im februar auch ein oder zwei petit arvines dabei sind. zitrus und salzig im wein mag ich sehr gerne!

  6. @gourmeur: am liebsten haben wir ihn als Aperitivwein zu kleinen Canapées mit diversen Auflagen, selbst zu Käse, Lachs und Krevetten geht er.

    @Elisabeth: immer auf der Suche nach Göttlichem ;-) Hast Du in Göttweig schon gesucht ?

    @Rosa: alles kahle Äste.

    @Peter: die kennst Du bestimmt:
    http://www.blogigo.de/Fleischlos_gluecklich/Blauer-Regen/5798/

    @entegut: Hier kann man Ferien machen ohne je Durst zu bekommen.

    @acquario: Chappaz habe ich schon lange auf dem Radar. Bisher war aber immer alles ausverkauft.

    @Eline: Petit Arvines sind bei einer solchen Degu unverzichtbar. Einige Winzer bauen sie auch als grains nobles (süss) aus. Leider wird in einfachen Lagen bereits wieder etwas zuviel davon produziert und muss verscherbelt werden. Was dem Ansehen der Sorte abträglich ist. Das gilt aber nicht für guten Prozenten, die damit keine Absatzprobleme haben.

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