und durch !

CH 6914 Carona: Autopostalische Delikatessen

CH-6914 Carona

Wieder hat es nicht geklappt. Gotthardstau und meine etwas saumselige Begleitung (oh, queste donne !) haben die weit herum gerühmte Polenta in einem Grotto in Mendrisio verhindert. Nein, Sabine hat über dieses Grotto noch nie berichtet. Wenigstens hat es uns noch bis Bellinzona gereicht, wieder einmal ins Grotto Malakoff, von Famiglia Fuso lange vermisst und wieder herzlich aufgenommen.

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Tiramisù. Die Süssigkeitsverächterin wartet schon mit dem Löffel.

Und da wir schon am auffrischen alter Erinnerungen waren, fuhren wir nach Carona, dem hübschen Ort hoch über dem Luganersee. Ach, wie oft sind wir früher im Postauto hier hinauf gefahren ? Etwa zur geraden Stunde trifft das Postauto aus Lugano ein, um kurz danach wieder umzukehren. Kurz vor dem Ortseingang, bei der Kirche San Giorgio, steht ein enges Tor. Unmittelbar davor eine Rechtskurve. Mit der Souplesse, die Chauffeuren Schweizerischer Postautos eigen ist, wird das Auto erst parallel zum Toreingang geschwenkt, danach mit eingeklappten Rückspiegeln laaangsam durch den Engpass gefahren. Links und rechts bleibt eine Handbreite. Für Mäxle kein Problem, dem macht eine Schramme mehr oder weniger nichts mehr aus, aber ein grosses Postauto ! Die Chauffeure freuen sich übrigens über Beifall.

Gewiss gibt es in Carona bekanntere Sehenswürdigkeiten als Postautodurchfahrten.

Carona ist ein altes und malerisches Dorf, das in der Vergangenheit einige bedeutende Architekten, Baumeister, Bildhauer, Maler, Stuckateure und Steinmetze hervorgebracht hat. Arbeit fanden diese Handwerker in den Metropolen Italiens. Im Winter kehrten manche von ihnen in ihr Heimat zurück und arbeiteten dann an der Ausschmückung ihrer Wohnhäuser oder Kirchen. Hier nur ein paar Beispiele aus etwa zwei Dutzend schöner Häuser.

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Carona: Casa Cattaneo
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Casa Scala
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Carona: Casa Solari
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Carona: Das meistfotografierte Haus an der Via principale
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Carona: Loggia communale, 1591-1592

Kirchen gibt es hier eine ganze Menge zu sehen. In der bereits erwähnten Chiesa San Giorgio eine Kopie der Auferstehung von Michelangelo. Nach Kunstvergleichen und langen Fussmärschen war uns wegen der grossen Hitze jedoch nicht. Was wir hingegen machten, war Nachsitzen.

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Carona: Chiesa San Giorgio
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Kreuzigung, Fresko von 1581-1584, Domenico Pezzi di Puria

So wie in foodblogs nachgekocht wird, in Reiseblogs nachgereist wird  ;-), so haben wir für einmal das Nachsitzen geübt. Nachsitzen auf schönen Bänklein  mit Aussicht. Sabine hat -auf der Suche nach einem von mir als schönstes Bänklein Europas angegebenen Sitzbank- uns eine Bank vorgestellt. Nicht die Richtige (sie liegt in meinem privaten Bank-Rating nur auf Platz 12) , aber zum Sitzen durchaus tauglich. Danach fuhren wir zur Erfrischung an den See, nach Morcote.

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Carona: Sitzbank (Bänkli-Ranking 12) mit Aussicht auf Maroggia

Erstaunlich, wie menschenleer sich das früher in der Ferienzeit überlaufene Morcote präsentierte. Schweizer ziehen es heute offensichtlich vor, für 28€ in die Türkei zu fliegen. Bitte sehr, mir soll es recht sein.

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Morcote: Häuserzeile am Ufer mit einer (1) Besucherin
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Morcote: am Ufer

34 thoughts on “CH 6914 Carona: Autopostalische Delikatessen”

  1. Wieder ein wunderbarer Sonntagsleckerbissen, sowohl fotografisch, wie auch Schreibfeder-technisch. Was unsere Vorfreude auf die Tessin Ferien nochmals steigert. Auch wir werden nach DEM Bänklein Ausschau halten. Und auch Frau L. hat es wieder zu ihrem Auftritt geschafft ;-)
    Liebe Grüsse und einen schönen Sonntag,
    Andy

  2. Wie malerisch! Eines weiß ich schon mal direkt: Postautofahren wäre nicht mein Job in Carona. Ansonsten staune ich über die süßigkeitsvorfreuende Frau L. und erfreue mich an ihrem Sommerhut. Und natürlich an eurem Sonntagsausflug!

  3. Di “Post” isch eifach e Gnuss und dää Ufsteller am Sunntigmorge !
    Und au di ghobeni, sälte gläseni und fiini Formulierig … :-)
    I wynsch dir / Eych e scheene Daag !

  4. Danke fürs Mitnehmen! Bin auch erstaunt, dass es so menschenleer in Morcote ist. Besser für euch. Und was die Postauto-Chauffeure betrifft, da hat es eine Frau im Scuol auf den Punkt gebracht – Wir haben die besten Postautofahrer!

  5. Ich glaube, die Prominenten, die einst Morcote bevölkerten, sterben langsam aus, oder? Die Postautodurchfahrt ist sensationell! – Danke für diese wunderschöne Reise!

  6. Sagenhafte Fotos (mit der lieben Frau L. :-) !!) und wie glücklich wäre ich allein schon mal auf deinem Bänklein mit der Nr. 12 zu sitzen (so ein herrlicher Ausblick)….wie schön muss es da auf Bank 1 erst sein?!!

    Danke für den abermals tollen Sonntagsbericht und einenschönen Tag für euch.
    LG Eva

    1. Vielleicht gibts ja auch in Kroatien schöne Bänklein mit Aussicht ;-). Vielleicht verklärt sich die Erinnerung an Bank No. 1 wegen des damals herrschenden Sonnenuntergangs ein wenig. Die Treppe ist endlos und steil, heute nichts mehr für uns.

  7. Die Fassadenmaler und Stuckateure haben wahre Meisterwerke vollbracht. Was ist das gegen den heutigen Heimwerkerwahn, der zwanghaft Reihenhäuser aufmotzen will.

  8. Danke für diesen schönen Ausflug und für das Zeigen der Sehenswürdigkeiten. Das war doch – wie schon so häufig – eine schöne Arbeitsteilung: während du die Kultur fotografierst, hatten wir mal wieder nur Augen für Essen, Trinken und das Ristorante Posta in Carona. Wie schön, dass ihr mal wieder im Grotto Malakoff wart und auch das legendäre Orangen-Tiramisu gegessen habt.
    Mit dem Polenta-Grotto in Mendrisio hast du mich natürlich nun neugierig gemacht, magst du es mir verraten?

    1. ich selbst war noch nie dort, und bin deshalb zögerlich mit dem weiterempfehlen von Adressen. Aber da Du öfters als ich im Tessin weilst: das Grotto Bundi, mitten in Mendrisio.

  9. “Saumselig”. Was für ein schönes, altmodisches Wort. Schon lange nicht mehr gehört. Aber warum im Zusammenhang mit “queste donne”?
    Ich denke, es paßt für beiderlei Geschlechter.

    1. Ja, über “saumselig” habe ich mich auch gefreut. Und über die “souplesse” der Chauffeuere! Ein Genuss, dieser wohlformulierte Text! (siehe oben beim Basler Dybli)

  10. Wunderschönes Tessin – und in der Tat für die Jahreszeit extrem leer. Nicht-Schweizer wundert das aber gar nicht :-) Denn die Schweiz ist nicht nur Kraft des Wechselkurses, sondern auch sonst a….teuer. Das Verdienstniveau ist so hoch, dass es für Euch sicher normal ist, für eine Pizza umgerechnet 18 € zu bezahlen. Vom “richtigen” Essen rede ich erst gar nicht. Für die restlichen Westeuropäer (von den östlichen EU-Nachbarn schweigen wir schamhaft) hat das dazu geführt, daß die Schweiz zwar prospekthaft schön, aber als Ferienland nahezu unerreichbar bleibt. Die Tourismuswerbung, die die Schweiz mit viel Aufwand z.B. in deutschen Printmedien treibt, wird daran nichts ändern.
    Ach ja: und dann wären da noch die vielen Schweizer, die es sicher sehr schätzen, für wenig Geld ins Ausland zu reisen. Reich wird man bekanntlich nur durch das Geld, welches man nicht ausgibt ;-)
    Umso angenehmer, wenn die Daheimgebliebenen die Schönheiten des Landes ohne Rummel genießen dürfen.

    1. Ich schätze die Schweiz, ich mag die Schweizer, jedenfalls die meisten und eine Emmentalerin besonders gerne; und ich habe bis vor zwei drei Jahren für einige schweizer Hotels und einen kantonalen Touristikverband gearbeitet. Was mich erstaunte, dass gerade in diesen Kreisen die Meinung vorherrschte, dass noch mehr Luxus bei “etwas” angehobenen Preisen, der Fremdenverkehr wieder ins Laufen kommt. Ich habe Angebote gesehen, die mit “preiswerten Familieurlaub” – Vater, Mutter, zwei Kinder angepriesen wurden. Das ganze für lächerliche 480 SFr. am Tag. Das können sich auch viele schweizer Familien, die zwei Kinder haben nicht leisten. Von den restlichen Europäern ganz zu schweigen. Und dann hatte ich Kunden im “Low Budget Bereich”, deren Häuser waren ständig ausgebucht.
      Irgendwann kommt ein Umdenken.

    2. @Juliane: Die grosse Verteuerung, welche Touristen in der Schweiz aufgrund der Frankenstärke in den letzten Jahren erfahren mussten, beruht auf den kaum kontrollierbaren, international volatilen Geldströmen, die sich in unsichern Zeiten einen sichern Hafen suchen. Wären Dollar und € krisenfeste Währungen, sähe die Sache anders aus.

      @Toettchen: Die Schweiz war nie ein Billigpreisland und wird nie eine billige Feriendestination werden. Auch wenn massenhaft Chinesen und Japaner an den “Sehenswürdigkeiten” vorbei gekarrt werden. Die Strategie der einheimischen Tourismusbranche kenne ich nicht, sie ist mir aber auch ziemlich egal, ich bin an diesen Orten in der Regel nicht anzutreffen :-)

  11. Es mag Sehenswerteres geben als eine Autodurchfahrt; und doch, eine eine Fahrt in einem Postauto im Tessin ist immer ein Erlebnis und bewundernswert. Ich mag mich gerne an die Fahrten in den 70ern im Centovalli erinnern. Applaus war nach einem Aufseufzen (wieder einmal geschafft!) wirklich ein angebrachter Lohn.

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